Wie ein Finanzbeamter sich ins Unglück stürzte bei dem Versuch, mit 6,9 Millionen Mark sein Glück zu machen / Von Aloys Behler

Hamburg

Deutlich außerhalb der Legalität, aber größtenteils innerhalb der Dienstzeit, arbeitete der Hamburger Steuerinspektor Henry Karl K. im Sommer vergangenen Jahres an einem ehrgeizigen Projekt: seiner höchst privaten Entsorgung für alle Zeiten. Doch indem er jetzt oder nie sein Glück zu machen versuchte, manipulierte er sich schnurstracks ins Unglück.

"Den Lottogewinn selber produzieren" – so umschrieb er, angeklagt wegen Untreue und Urkundenfälschung, auf dem Stühlchen vor dem Vorsitzenden der Großen Strafkammer 12 des Hamburger Landgerichts das Motiv eines ungesetzlichen Tuns, in dessen Folge 6,9 Millionen Mark angeblich zu erstattender Steuergelder, angewiesen vom tüchtigen Steuerinspektor Henry Karl K., wundersamerweise auf Konten des Schmiedes seines privaten Glückes Henry Karl K. landeten.

Dort wurden sie, nachdem der ungetreue Hüter der Finanzen am 1. November 1985 festgenommen worden war, auch gefunden. Bis auf einen Rest von 990 000 Mark. Die habe er, so sagte Henry Karl K. vor Gericht und korrigierte damit frühere Aussagen, in Teilbeträgen als Darlehen, unter anderem für eine Unterbeteiligung an einem Etablissement auf St. Pauli, jenem Mann gegeben, der ihm den für die Manipulation erforderlichen gefälschten Personalausweis beschafft habe. Dieser Mann, nach einem Umweg über Las Vegas inzwischen auch in Haft, will davon nichts wissen. Er ist in dieser Affäre offensichtlich der wissen. an den Henry Karl K. geriet, der so gern sechs Richtige gehabt hätte.

Im Zugzwang

Freilich ist dieser Mann dem Steuerinspektor nicht plötzlich über den Weg gelaufen wie eine schwarze Katze; er war ihm, durch seine Schwägerin, seit längerem bekannt, und bekannt waren ihm auch dessen Beziehungen zum St.-Pauli-Milieu. "Nur mal so" habe er eines Tages im Juli 1985 das Gespräch auf falsche Papiere gebracht und "ob das denn überhaupt möglich wäre...", sagt der Steuerinspektor vor Gericht. Da müsse er sich mal umhören, soll der Bekannte erwidert haben, und in dieser Beziehung war wohl Verlaß auf ihn, denn schon drei oder vier Tage später kam er auf die Sache zurück. Der Steuerinspektor, am Telephon in Zugzwang geraten, mußte sich rasch entscheiden: Ja oder nein? Und da sagte er "ja".