Neulich habe ich in Amsterdam gearbeitet. Da flieg’ ich morgens hin und übernachte, und am nächsten Tag bin ich wieder in Hamburg. Freunde sagen zu mir: "Mensch, toll, du arbeitest in Amsterdam. Das möchte ich auch gern." Ich sage nur: "Wißt ihr, was ich gesehen habe? Das Hotel."

Drei, vier Orte in einer Woche, und ich habe kaum noch Zeit zu verdauen, was ich den ganzen Tag höre. Heute Medizin, morgen Maschinenbau, übermorgen Auto, dann Kraftwerke. Und immer muß ich gut sein. Ich kann nicht einfach sagen: "Heute fühle ich mich nicht so." Ich weiß, wenn ich nicht gut bin, dann klappt die ganze Kommunikation auf der Konferenz nicht mehr.

Oft spricht der Redner irrsinnig schnell. Dann ist das wie in einem Wettrennen, das meistens der Redner gewinnt. Wir tun unser Bestes und halten mit, so gut es geht. Aber manchmal wird man wirklich wütend. Der Redner verhindert nämlich oft selbst, daß wir so gut sind, wie wir sein könnten.

Meistens fragen wir die Leute vor der Konferenz nach einem Manuskript, damit wir uns vorbereiten können. Und da gibt es immer welche, die sagen, sie hätten keines und sprächen frei. Aber wenn sie dann am Rednerpult stehen, ziehen sie plötzlich zehn Seiten aus der Tasche und fangen an, wie ein Maschinengewehr zu reden.

Dann fühle ich mich hintergangen und denke: "Wenn du wüßtest, was ich dir antun könnte." Und manchmal tue ich dem dann auch was an. Dann mach’ ich zu – das heißt bei uns, das Mikrophon zudrehen – und sage den Zuhörern: "Ihr Dolmetscher kann nicht mehr sinnvoll übersetzen."

Ich muß von mir immer in der dritten Person reden. Wenn ich "Ich" sage, bin ich ja der Redner.

Also, viele Leute behandeln uns wie Maschinen. Wir sind für sie gar nicht da. Wir müssen einfach funktionieren. Und wenn mal was nicht klappt, heißt es: "Die Technik geht nicht mehr." Damit sind dann wir gemeint.