Ernst Gutting

Der Weihbischof von Speyer ist fast schon ein Feminist / Von Viola Roggenkamp

Das Streben nach Vorherrschaft bringt auch Rivalität. Und so haben die Männer den zweiten, etwas größeren Teil der Menschheit im voraus ausgeschaltet. Wenn die Frauen die ihnen zustehenden 51 Prozent der Mandate in Anspruch nehmen könnten, würden die Männer bestimmt die Bundeswehr in Anspruch nehmen, um den Aufstand niederzuschlagen. "

Ernst Gutting, Weihbischof des Bistums Speyer, hatte dieses Beispiel "natürlich tiefenpsychologisch" gemeint, als eine typisch patriarchalische, nicht aber tatsächlich zu unterstellende Form der männlichen Abwehr auf wachsendes Frauenbewußtsein.

Wie auch immer, sein Wort hatte Aufsehen erregt, weit über den Kreis der katholischen Frauen hinaus. Denn ausgesprochen hatte Gutting diese tiefenpsychologische Mutmaßung auf einer Bonner Podiumsdiskussion, an der auch Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer und Familienministerin Rita Süssmuth teilgenommen hatten.

Beiden Frauen hatte es für einen Augenblick ob seiner feministischen Radikalität die Sprache verschlagen. Man ist es zwar gewohnt, daß sich die Kirche, zumal die katholische Kirche, zu frauenpolitischen Themen äußert, auch radikal äußert, aber doch nicht in dieser Weise.