"George Stevens. A Filmmaker’s Journey" von George Stevens, Jr.

Ein berührendes Dokument der langsamen Annäherung: Wie ein Sohn die Arbeit seines Vater erkennt und würdigt. Zugleich ein essayistischer Versuch über die Spannung zwischen Leben und Kino: Wie die Realität des Filmens das Filmen von Realität bestimmt und formt.

"Das Leben ist eine Reise, die immer dann am interessantesten ist, wenn man nicht weiß, wo sie hinführt", schrieb Stevens in sein Tagebuch, 1944. Einzelne Stationen dieser Reise vollzieht nun der Sohn filmisch nach. Er stellt klar, wie wenig gradlinig die Reise eines gradlinigen Mannes verlaufen kann.

Die erste Station (1921-1933): Kameraarbeit für die Hal Roach-Studios, für Filme mit Stan Laurel und Oliver Hardy. Zweite Station (1933-1942): Regie in Komödien "Woman of the Year" mit Katherine Hepburn), in Tanz- und Abenteuerfilmen ("Swingtime" mit Ginger Rogers/Fred Astaire, "Gunga Din" mit Cary Grant). Dritte Station (1942-1945): Nach Besichtigung von Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" Verzicht auf die Karriere in Hollywood und Eintritt in die US-Army. Vierte Station (nach 1945): Zurück zur Regie, nun aber als kritischer Autor. Die Lust am unbeschwerten Erzählen ist ersetzt durch den unbedingten Drang nach klaren Standpunkten ("A Place in the Sun", "Gigant"), in den Mittelpunkt rücken filmische Visionen, die den Wahrheitsgehalt des amerikanischen Ideals reflektieren.

George Stevens Jr. folgt der Reise seines Vaters, indem er einfach die Filme sprechen läßt – und als Kommentar dazu: dessen Mitarbeiter und Kollegen. Katherine Hepburn erzählt, wie alles anfing.

Fred Astaire, wie schwierig gerade der leichte Tanz sei. Joseph L. Mankiewicz und Fred Zinnemann würdigen Stevens’ politische Integrität: Wie selbstverständlich er den unwürdigen Pressionen der McCarthy-Ära widerstand. John Huston lobpreist seine "mise en seine". Rouben Mamoulian schwärmt vom musikalischen Rhythmus der Filme.

Wichtige Filmszenen wechseln mit interessanten Anmerkungen, Erläuterungen, Interpretationen: Wie in "Swingtime" etwa erstmals ein Tanz die Handlung weiterführte. Wie in "Woman of the Year" das Komische nicht durch rasante Blickwechsel, sondern durch ruhige Beobachtung entstand. Der Film des Sohnes lebt von seiner emotionalen Ausstrahlung. Der Sohn versucht nicht mehr, als die Arbeit und damit zugleich das Leben seines Vaters kennenzulernen, zu protokollieren – und so ein bißchen zu verstehen.