DIE ZEIT

Schule im Dorf

Wo auch nur vierzig sechs- bis zehnjährige Kinder im selben Dorf wohnen, da macht die alte Schule ihre Tore wieder auf im Lande Gerhard Mayer-Vorfelders, des konservativen Stuttgarter Kultusministers.

Verwerflich

Manches wirkt neu, weil es zwischendrin vergessen wurde. Der Flick-Untersuchungsausschuß hatte in der Tat ausgebreitet, wie seinerzeit die Fäden zwischen dem Konzern, der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und dem SPD-Schatzmeister gesponnen wurden; außerdem hatten die Sozialdemokraten im Abschlußbericht ein kleinlautes mea culpa gesprochen.

Knall im All

Für Schadenfreude über das dreifache Pech der amerikanischen Konkurrenz bestehe kein Grund, betonte ein Manager des europäischen "Ariane"-Programms nach den Explosionen von "Challenger", "Titan" und "Delta".

Jetzt kommt es auf Europa an

Wieder einmal kriselt es im Bündnis des Westens. Doch diesmal geht der Streit zwischen Amerika und seinen europäischen Verbündeten nicht, wie bei Präsident Reagans Strafexpedition gegen Ghaddafi vor wenigen Wochen, um zweitrangige Fragen atlantischer Sicherheit.

Flucht nach vorn

Helmut Kohl landete einen Coup. Aber die Ernennung von Walter Wallmann zum Bundesumweltminister, die wie ein Griff in die Zukunft aussehen soll, ist in Wirklichkeit eine taktische Flucht nach vorn.

Zeitspiegel

Im Frühjahr besuchte Laura Pinto, Mitarbeiterin im "Komitee der Mütter und Angehörigen von politischen Gefangenen, Verschwundenen und Getöteten" von El Salvador, die Bundesrepublik und klagte die Menschenrechtsverletzungen in dem mittelamerikanischen Staat an.

Worte der Woche

"Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten in Zukunft Entscheidungen über die Struktur ihrer strategischen Streitkräfte nach der Art und der Größe der Bedrohung durch die sowjetischen strategischen Waffen richten müssen, und nicht nach den Salt-II-Leitlinien, die von der Sowjetunion durch Mißachtung unterminiert worden sind.

Die Sorge, den Thron zu verlieren

Das ist, unausgesprochen, auch die Botschaft gewesen, als der niedersächsische Ministerpräsident zuvor auf dem Marktplatz der adretten Kreisstadt Gifhorn gesprochen hat.

Weltkongreß der Friedens-Ärzte: Wo sich die Geister scheiden

Müssen sich jetzt auch noch die Ärzte in die Politik einmischen? So hört man Politiker wieder klagen. Sollen sie doch gefälligst alle bei ihrem Leisten bleiben – die Gewerkschaftler bei der Tarifpolitik, die Pastoren in der Kirche, die Lehrer am Katheder und die Ärzte am Krankenbett.

Der Bundesgerichtshof revidiert sein Urteil zur Nötigung: Karlsruhe geht in sich

Für so wichtig hielt der Presserichter des Bundesgerichtshofes (BGH), Christoph Zülch, eine neue Entscheidung des Zweiten Strafsenates, daß er nicht mit zum Betriebsausflug ging, sondern auf seinem Amtszimmer eine Presseerklärung formulierte und sie dann weitergab: Das höchste Strafgericht der Republik rückte leicht, aber möglicherweise folgenschwer von jener alten Rechtsprechung zur Nötigung ab, die seit zwei Jahren zu über dreitausend Strafbefehlen und Verurteilungen von Atomwaffengegnern geführt hatte.

Berlin-Regelung: Zwang an der Grenze

Zwei Dinge hätten ihn überrascht, sagt ein westlicher Diplomat: die Solidarität der Nato-Staaten und die Tatsache, daß die DDR-Regierung ihre neuen Regelungen an der innerstädtischen Grenze in Berlin ausgerechnet drei Tage vor Beginn der Nato-Frühjahrstagung im kanadischen Halifax in Kraft gesetzt hat.

Polen: Die Staatsgewalt schlägt zu

Die Miliz der Volksrepublik Polen habe "wichtige Dokumente und Ausrüstungen westlicher Herkunft" bei Zbigniew Bujak gefunden, als sie ihn, den Chef des "provisorischen Koordinationsausschusses" der "Solidarität" im Untergrund, in früher Morgenstunde verhaftete.

Japan: Nakasones Wahlpoker

Nach dem Gipfeltreffen der westlichen Industriestaaten in Tokio schien es um die politische Zukunft von Yasuhiro Nakasone nicht gut bestellt.

"Auf die eigenen Kräfte bauen"

Willkommen in Burkina Faso, dem Grab des Imperialismus." Auf dem Flughafen von Ouagadougou erhält der Einreisende seine erste Lektion.

Einmütig wie lange nicht mehr

Eine selten gewordene Stimmung beseelte am Sonntagabend die Gemüter im Hochhaus der Vereinten Nationen. Ein Programm zur wirtschaftlichen Gesundung Afrikas hatte nach sechstägiger Sondersitzung der Generalversammlung, nach vielen Reden und Hinter-den-Kulissen-Gesprächen, nach einem Feilen an der Endfassung bis in die Morgenstunden hinein die Zustimmung der UN-Mitglieder gefunden.

Der Kampf geht weiter

Nachts gehen schon mal die Lichter aus, und das fröhliche Treiben in den feinen Vororten und Amüsiervierteln verstummt jäh. Wie zum Hohn auf den "Stromausfall" erscheint weithin sichtbar auf den östlichen Berghängen der Kordillieren ein feuriges Sichel-und-Hammer-Emblem – so, als wolle es dem jungen Präsidenten des Landes signalisieren: Der Kampf geht weiter! Jeder kennt den Täter, zumindest fällt der Verdacht immer auf ihn: Der Sendero Luminoso, der Leuchtende Pfad, der die Lichter ausgehen läßt, hat wieder einmal den Glauben daran erschüttert, er sei bereits ins Abseits gedrängt worden.

Eskalation in Wackersdorf: Katz und Maus vor Gericht

Daß die Pfingst-Schlacht am Bauzaun der Wiederaufarbeitungsanlage die Medien beschäftigt, ist verständlich. Die sogenannten "Chaoten" sind ja photogen: schwarz gekleidet, das Gesicht verhüllt, steinewerfend.

Das Ende der Illusionen

mochte das nicht, denn in unserem Hausegab es einen Bolle-Laden; zum Konsum dagegen – einem altmodischen, in meiner Erinnerung etwas muffigen Laden – mußte ich einige Häuserblocks weit laufen.

Mit berechnender Absicht

Darf man den Worten des Bundeskanzlers glauben, geht nun gleich die gesamte Volkswirtschaft zugrunde. Sollten die Kernkraftwerke sofort abgeschaltet werden, so Helmut Kohl, seien totale wirtschaftliche Verelendung und Massenarbeitslosigkeit die Folgen.

Euroscheck: Ärgerlich

Gäbe es den Euroscheck nicht, man müßte ihn erfinden. Wer denkt heute beim Ausfüllen noch daran, wie kompliziert die bargeldlose Bezahlung einer Rechnung oft war, als die kleinen magischen Plastikkärtchen noch unbekannt waren? Und wie einfach ist es geworden, im europäischen Ausland Bargeld mit Euroschecks zu beschaffen.

Bonner Kulisse

Otto Graf Lambsdorff, ehemaliger Wirtschaftsminister und Angeklagter im Bonner Flick-Prozeß, wird seit letzter Woche wieder eine ganze Portion Hoffnung mehr auf Freispruch gewonnen haben.

Zinsen: Warnsignal

Wende oder Buckel? Das fragen die Experten, wenn Sie die Zinsentwicklung am deutschen Kapitalmarkt betrachten. Bis Mitte April liefen die Zinsen so, wie es in den Prognosen der Banken und Forschungsinstitute vorhergesagt wurde.

Österreich: Die Umweltschützer verschaukelt

Die Bosse der österreichischen Elektrizitätswirtschaft mögen einen stillen Triumph empfunden haben, als sie vor wenigen Tagen mit den Nachbarn aus Ungarn einen lange vorbereiteten Vertrag unterzeichneten: Die österreichische Donaukraftwerke AG, die vor rund eineinhalb Jahren am Widerstand von Bürgerinitiativen damit gescheitert war, in den Donauauen östlich von Wien das Kraftwerk Hainburg zu errichten, bekommt nun doch ihr Kraftwerk.

AUTOSELLER

Auch in diesem Frühjahr behauptet er sich souverän an der Spitze der deutschen Zulassungsstatistik: Mehr als 121 000 Volkswagen-Golf, von dem gerade in Wolfsburg das achtmillionste Exemplar vom Band lief, kamen in den ersten vier Monaten neu in den Verkehr.

MANAGER UND MÄRKTE

Wacker-Chemie: Lange Leitung Computer-Industrie: Ratlose Schwestern Öltanker: Letzte Fahrt

Wahlgeschenk

ZEIT: Herr Haberl, das Bundesland Bayern hat sich offiziell gegen den Bonner Verkehrsminister gestellt. Bayerische Autofahrer, die es versäumen, die seit 1985 einmal jährlich fällige Abgassonderuntersuchung vornehmen zu lassen, sollen von der landeseigenen Polizei nicht mehr behelligt werden.

ZEITRAFFER

Die Preisveränderungsrate verharrt weiter im Minus: Auch im Mai gingen die Verbraucherpreise in der Bundesrepublik zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verringerten sich die Lebenshaltungskosten um 0,3 Prozent, schon im April lagen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent unter dem Vorjahr.

Die Macht ist ungebrochen

Die traditionell starke Rolle der schwedischen Gewerkschaften bewährt sich auch in der Krise

Warum in die Ferne schweifen?

Europas Börsianer, nicht zuletzt deutsche Anleger, haben eine neue Leidenschaft entdeckt. Wer möchte schon von Siemens oder Mannesmann schwärmen? Pohjola, Nokia, Explosivos, Iberduero, Belgo-Mineira oder Norsk Hydro scheinen wesentlich phantasievollere Aktiennamen zu sein.

Pariser Börse: Knick in der Erfolgskurve

Am Montag der vergangenen Woche startete die Pariser Börse eine großangelegte Werbekampagne. "Diese Franzosen! Ihre Börse bietet Chancen noch und noch!", hieß es in ganzseitigen Anzeigen, die besser nicht erschienen wären.

Markt-Report: In Luft aufgelöst

Während der Dow Jones, gebräuchlichster Aktienindex in den USA, immer neuen Gipfeln entgegenstrebt, sind die deutschen Aktienkurse in dieser Woche unter ihren Stand vom Jahresende zurückgefallen.

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