"Nichts politisiert mehr als ein Gaseinsatz", sagt Franz Schwinghammer, Rechtsanwalt aus Regensburg. Er berichtet von zwei Jungsozialisten aus Cham, die mit ihrem Vater – ehemaliger Förster, sechzig Jahre alt, CSU-Wähler – wegen der WAA ewig im Streit lagen. Im Januar überredeten sie ihn, das Baugelände zu besuchen. Er konnte mit den Besetzern im Hubschrauberkrach jedoch kaum diskutieren. Zu Ostern bekam er seine erste CS-Dusche, zu Pfingsten mußten die Söhne ihren Vater zurückhalten, als er daran ging, mit seinem Spazierstock auf das Führerhaus eines Baufahrzeuges einzudreschen. "Da sieht man den Wandel", sagt Schwinghammer.

Als die Atomkraftgegner im Sommer die erste Platzbesetzung vorbereiteten, fürchteten sie sehr um die Unterstützung aus der Bevölkerung. Junge Großstädter mit grünen Haaren und nackte Frauen auf der Wiese – die kannte man bis dahin in der Oberpfalz nicht. Das massive Polizeiaufgebot über Monate, zwei Tote (bei ungeklärten Zwischenfällen auf Demonstrationen) und die Gasangriffe haben viele Bürger radikalisiert. An dieser bedenklichen Zuspitzung sind nicht die "Chaoten" schuld, sie ist von oben provoziert worden.

Ob Gegner oder Befürworter der WAA – vor einer weiteren Eskalation sorgen sich in der Oberpfalz alle. Man wartet auf ein Zeichen der Entspannung aus München.

Bisher vergeblich.