Allein die Zahlenkombinationen hinter dem Kürzel einer Fluggesellschaft entschlüsseln das Woher und Wohin eines Jets.

Die nur vordergründige Geheimniskrämerei der Luftfahrtgesellschaften auf elektronischen Anzeigetafeln und papierenen Flugplänen hat System. So tauchen zum Beispiel hinter dem Firmenkürzel der Deutschen Lufthansa (LH) in verwirrender Anzahl drei- bis vierstellige Zahlenkombinationen auf, die dem flugunerfahrenen Reisenden nichts, dem Experten aber alles über das Woher und Wohin der Maschinen mit dem stilisierten Kranich auf gelben Grund verraten. „LH 007“ heißt dann zum Beispiel dechiffriert: Der LH-Jet fliegt die Route Kopenhagen-Frankfurt.

Unter den Nummern 001 bis 399 listet die LH alle Flüge auf, die ex Frankfurt ins europäische Ausland und nach Nordafrika führen oder von diesen Zielen in die Bundesrepublik gestartet werden. So trägt beispielsweise der Flug von Frankfurt nach Amsterdam das Kürzel LH 080, während die Verbindung Frankfurt-Casablanca mit dem Code LH 382 ausgewiesen wird. Flüge nach Nordamerika sind in der Zahlengruppe 400 bis 479 registriert, wobei Alaska (Anchorage) mit den Flugnummern 650 bis 655 eine eigene Kennzeichnung erhalten hat. Der Grund: die Routenführung über Alaska nach Fernost und Australien, die die Codenummern LH 640 bis LH 699 haben.

Für Afrika hat die LH die Ziffernkombinationen 539 bis 569 ausgewiesen (ohne Nordafrika), während Ziele in Mittel- und Südamerika im Zahlenbereich von 480 bis 529 angesiedelt sind. Die Kategorie 570 bis 599 allerdings weist keine Flugnummer einem Land oder einem Kontinent zu. Diese Zahlen signalisieren, daß der Kranich-Carrier sich zu Sonderflügen in die Lüfte hebt. Für Charterflüge benutzt die Lufthansa auch vierstellige Kombinationen, die ansonsten die LH-Tochter Condor auf dem Flugplan kennzeichnen.

Im normalen Passagierdienst folgen dann die Dreierkombinationen 600 bis 639. Sie besagen, daß LH-Maschinen Städte im Nahen und Mittleren Osten ansteuern oder von dort in die Bundesrepublik starten.

Das Kennzeichnungssystem der dreistelligen Zahlen gilt auch für Flüge innerhalb der Bundesrepublik. Für sie sind die Ziffern 700 bis 999 in den Flugplänen eingetragen, wobei der schienengebundene Airport-Expreß von Düsseldorf via Köln nach Frankfurt und zurück zumindest nach seiner Nummerierung als Flugzeug behandelt wird: Er fährt mit den LH-Codes 1001 bis 1008. Flüge mit den Zahlenreihen zwischen 1800 und 1990 bedeuten schließlich, daß Maschinen der Deutschen Luftverkehrsgesellschaft (DLT) im Auftrag der Deutschen Lufthansa, die an der DLT beteiligt ist, unterwegs sind.

Zu guter Letzt sagen auch gerade und ungerade Zahlenkombinationen etwas über die Luftfahrten der Lufthansa-Jets aus: Gerade Zahlen bedeuten, die Maschine fliegt von der Bundesrepublik ins Ausland, während ungerade Zahlen die Ankunft eines LH-Flugzeugs aus dem europäischen oder überseeischen Ausland anzeigen. LH 666 steht dann zum Beispiel für den Flug Frankfurt-Delhi, wogegen LH 291 aussagt, daß in Frankfurt die Maschine aus Rom erwartet wird.

Alle dreistelligen Zahlenspielereien, an denen sich Fluggäste möglicherweise beteiligen wollen, werden aber ab dem 1. Januar 1987 hinfällig. Dann nämlich führt die Lufthansa aus „technischen Gründen“ ausschließlich vierstellige Zahlenreihen ein. Rainer Schauer