Von Benjamin Henrichs

Er ist Peter Steins Nachfolger an Deutschlands berühmtester Bühne, aber ein Thronfolger will er nicht sein: Luc Bondy, Jahrgang 1948, unter den Meisterregisseuren der jüngste (oder unter den Jungregisseuren der älteste?).

Am nächsten Mittwoch hat Bondys neue Inszenierung an der Berliner Schaubühne Premiere: "Ein heißes Herz", eine Komödie von Alexander Ostrowski.

Unser Gespräch mit Luc Bondy fand in zwei Etappen statt: der erste Teil im Winter in Paris, wo Bondy seine schon legendäre Brüsseler "Cosi fan tutte" zeigte; der zweite Teil im Frühling in Berlin, während der Proben zum "Heißen Herz".

Sie haben jetzt in Paris noch einmal "Cosi fan tutte" inszeniert. In der nächsten Woche werden Sie wieder an der Berliner Schaubühne sein. Werden Sie dann die Musik vermissen??

BONDY: Ich habe mir das heute morgen vorgestellt. Ich sehe mich auf die Probebühne kommen, mache einen Durchlauf und frage, wo denn der Pianist ist. Einen Moment lang habe ich gedacht, wie trocken das alles wird. Die Musik trägt einen, sie beschwingt einen. Also werde ich sie sicher erst einmal vermissen. Andererseits ist die Musik, so schön sie auch sein mag, immer ein Vorhang. Einen Schauspieler kann ich nachempfinden, versetze mich in seinen Körper. Bei einem Schauspieler kann ich die Rollen für mich mitspielen. Bei den Sängern mitsingen kann ich nicht.

Ist aber nicht der Sänger, der Talent hat fürs Spielen, der vollkommene Schauspieler?