Wacker-Chemie: Lange Leitung Computer-Industrie: Ratlose Schwestern Öltanker: Letzte Fahrt

Deutsche Aktien sind auf den Kurszetteln amerikanischer Wertpapierbörsen eine Fehlanzeige. "Doch das soll sich ändern", meinte jetzt Wolfgang Röller, Chef der Dresdner Bank und Kapitalmarktexperte, in New York. Innerhalb des nächsten halben Jahres, glaubt Roller, werden die Verhandlungen zwischen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC und der New Yorker Börse über die Zulassung deutscher Aktien zu einem positiven Abschluß gebracht werden. In der "Kardinalfrage stille Reserven" wird die SEC nach Röllers Meinung zu Zugeständnissen bereit sein, "weil auch die Amerikaner langsam erkennen, wie wichtig stille Reserven für Banken sind". Im Gegensatz zum deutschen Recht müssen diese heimlichen Polster nach amerikanischen Bestimmungen offen ausgewiesen werden.

Die Dresdner Bank sähe es jedenfalls sehr gerne, so Roller, "wenn sie ihren japanischen Ehrgeiz auch auf den amerikanischen Markt übertragen könnte". In Fernost hatte die Nummer zwei unter Deutschlands Banken als erstes bundesrepublikanisches Unternehmen ihre Aktien an der Börse eingeführt. So soll es nach Rollers Willen auch in den USA sein, "denn schließlich fühlen wir uns als Nummer eins im US-Geschäft der deutschen Kreditinstitute".

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Gewehr bei Fuß steht die Wacker-Chemie GmbH in München mit ihren Plänen, im Werk Burghausen eine Glasfaserfabrik zu bauen. Das Unternehmen hat sich zwar schon vor eineinhalb Jahren eine Lizenz von dem japanischen Konzern Sumitomo besorgt, zögert die Entscheidung über die Fabrik aber noch hinaus. "Wir beobachten den Markt", sagte dazu jetzt Geschäftsführer Walter Dobmaier. "Der Markt ist aber noch nicht soweit, wie wir bei unseren ursprünglichen Plänen angenommen hatten."

Angesichts der Baisse auf dem Markt für den Chipsgrundstoff Reinstsilicium in den USA wollen sich die Wacker-Gesellschafter (jeweils zur Hälfte die Familie und die Hoechst AG) wohl gegenwärtig kein zusätzliches Risiko aufbürden.

Damit ist der Vorsprung von Siemens nicht mehr aufzuholen: Der deutsche Konzern wird Ende Juli seine Glasfaserfabrik in Neustadt bei Coburg starten. Der US-Partner Corning Glass ist daran zu fünfzig Prozent beteiligt. In die erste Ausbaustufe für zunächst jährlich 80 000 Faserkilometer wurden einschließlich der Infrastruktur für den nächsten Bauabschnitt rund 70 Millionen Mark investiert.