Ausstieg aus der Kernenergie – Nachdenken ist besser als Panik zu verbreiten

Darf man den Worten des Bundeskanzlers glauben, geht nun gleich die gesamte Volkswirtschaft zugrunde. Sollten die Kernkraftwerke sofort abgeschaltet werden, so Helmut Kohl, seien totale wirtschaftliche Verelendung und Massenarbeitslosigkeit die Folgen.

Panikmache und Hysterie mußten sich seit der atomaren Katastrophe in Tschernobyl bisher nur jene vorwerfen lassen, die den direkten Ausstieg propagieren. Zu mehr Sachlichkeit und weniger Emotionen rufen die scheinbar Besonnenen und Gelassenen in dieser Diskussion auf. Statt nur zu beschwichtigen, fingen andere an zu rechnen, bis wann und zu welchem Preis der Ausstieg möglich wäre.

An der Endsumme ist jeweils erkennbar, welcher Wunsch die Kalkulationen prägte. Bis zu einer Billion Mark reicht die Zahlenakrobatik. Schon über den Wert der Reaktoren streiten sich die Kontrahenten. Etwa vierzig bis fünfzig Milliarden Mark meinen die einen, mit dem Drei- bis Vierfachen rechnen die anderen. Je höher die Summe, desto höher wird auch der Entschädigungsbetrag, der fällig werden könnte. Und um wieviel mehr der Strom, nur aus Kohle gewonnen, eigentlich kostet, ist auch ein Rechenexempel mit vielen Variablen. Sicher ist es nicht nur berechnende Absicht, die Kosten für den Ausstieg rauf oder runter zu kalkulieren, sondern auch Unsicherheit, wie stark einzelne Faktoren zu Buche schlagen würden.

Klar ist indes, daß viele Menschen den Sicherheitsbeteuerungen nicht mehr glauben, daß rechnerisch die Megawatt auch ohne Kernkraftwerke heute schon fast reichten und daß die Lücken technisch zu schließen wären.

Die Idee, daß auch mit der Entwicklung und Nutzung alternativer Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne Geld verdient werden könnte, ist plötzlich wieder attraktiv geworden. Und das Ziel, ohne Komfortverzicht zu sparen, reizt zur Suche nach intelligenten Lösungen. Welches innovative Potential in welchen Schubläden und Köpfen noch schlummert, ist längst nicht absehbar, und wie viele Arbeitsplätze es schaffen würde, deshalb nicht berechenbar.

Die Befürworter der atomaren Energiequelle sind in Beweisnot geraten.