Nur drei Jahre lang herrschte Ruhe in der Chefetage des deutschen Luft- und Raumfahrtkonzerns . Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) in Ottobrunn bei München. Kaum hatte der seit Februar 1983 amtierende Vorsitzende der Geschäftsführung, Hanns Amt Vogels, im Januar dieses Jahres seinen 60. Geburtstag gefeiert, da häuften sich schon wieder Spekulationen. Der MBB-Aufsichtsratsvorsitzende, Bayerns Finanzminister Max Streibl, ist bereits jetzt intensiv bemüht, für die Zeit nach Vogels vorzusorgen und hält nach möglichen Kronprinzen Ausschau.

Nicht bekannt ist indes, ob er aus eigener Initiative handelt oder auf Anweisung seines obersten Meisters Franz Josef Strauß, dem unermüdlichen Aufsichtsratsmitglied des Luftfahrtunternehmens. Noch im Dezember hatte Vogels versichert, er habe ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Strauß. Danach aber war es – zumindest vorübergehend – zu Eintrübungen gekommen, nachdem Vogels eine Lieblingsidee des Landesvaters, das Engagement der Bayerischen Motoren Werke (BMW) bei MBB, skeptisch kommentiert hatte.

Er wolle "zwar nicht so kraß sagen", daß er etwas gegen diesen Plan habe, meinte Vogels damals, brachte dann aber trotzdem Gegenargumente vor: MBB strebe ein verstärktes Liefervolumen (Elektronik- und Kunststoffteile) für die Autoindustrie an und wolle sich deshalb nicht einseitig an BMW binden. Außerdem habe er angesichts der Erfahrungen bei ähnlichen Vorhaben in den Vereinigten Staaten – wie auch in der Bundesrepublik durch die Beteiligung von Daimler bei Dornier – den Eindruck gewonnen, daß der Einstieg der Autoindustrie in die Luft- und Raumfahrtbranche dieser bisher keinen Nutzen gebracht habe.

Einige Wochen später konterte allerdings BMW-Chef Eberhard von Kuenheim süffisant, daß diese Erfolge auch kaum möglich seien: Da die von Vogels erwähnten Verbindungen (General Motors mit Hughes Aircraft und Chrysler mit Gulfstream) eben erst hergestellt worden seien, könne man noch nicht von Ergebnissen sprechen.

Viel gewichtiger aber war ein angeblich recht harter Brief von Strauß an Vogels, obwohl auch er allem Anschein nach nicht zu einer dauerhaften Spannung führte. Das Verhältnis sei "prima", freut sich Vogels nach wie vor.

Vogels hatte nach seinem Amtsantritt für Frieden und Harmonie an der Spitze des MBB-Konzerns gesorgt, der früher immer wieder mit Führungskrisen in die Schlagzeilen geraten war. Der Ex-Flick-Manager Vogels krempelte energisch das oberste Management um, beförderte zwei jüngere Talente aus dem Haus in die Geschäftsführung und machte durch sein Geschick, gute Leute zu motivieren, von sich reden.

Vogels weiß selbst, daß er rechtzeitig nach einem Nachfolger Ausschau halten muß. Aber er will, darauf legt er großen Wert, kein "Boß auf Abruf" sein. Die Suche nach Kronprinzen außer Haus soll zudem den eigenen "Nachwuchs", der sich noch Hoffnungen macht, nicht frustrieren.