Wo auch nur vierzig sechs- bis zehnjährige Kinder im selben Dorf wohnen, da macht die alte Schule ihre Tore wieder auf im Lande Gerhard Mayer-Vorfelders, des konservativen Stuttgarter Kultusministers. Die Zwergschule, vom gesellschaftlichen Fortschritt einst ausgemustert wie die Prügelstrafe und das Auswendiglernen von Gedichten, kehrt zurück in die pädagogische Provinz.

Der Rückgriff wäre unvorstellbar ohne den vorausgegangenen Sieg der Moderne. Pille und kultureller Prozeß haben einen demographischen Knick bewirkt, und der erzwingt die schulpolitische Wende. Will man die immer weniger gewordenen Kinder nicht immer weitere Strecken im Schulbus transportieren, muß man sie in kleinen Schulen lernen lassen.

Der alte Trott freilich war aus den großen Mittelpunktschulen so wenig verbannt wie aus den großen bürokratischen und industriellen Einrichtungen für erwachsene Menschen. Auch darum halten heute Konservative wie Aussteiger das Kleine für das Schöne. Wer sich diesen Lagern nicht zurechnen will, mag sich ganz pragmatisch damit trösten, daß gute Lehrer überall für guten Unterricht sorgen, in großstädtischen Lernfabriken ebenso wie an den neuen, alten Dorfschulen. HJG