Elf Jahre hat er gedauert, der Rechtsstreit, jetzt hat Hessens Kultusminister Schneider (wie mit den Grünen vereinbart) die Freie Schule Frankfurt als Privatschule anerkannt. Eine Initiative von Eltern, Pädagogen, der viele Züge einer "richtigen" Schule abgehen.

Eine Schule ohne Fächeraufspaltung, ohne atomisierenden Stundenplan, ohne die Trennwände zwischen praktischem, sozialem und intellektuellem Lernen. Eine Schule, die auf Noten- und Versetzungsängste verzichtet, auf. Erfahrungshunger und Lernlust von Kinder setzt. Die eigene Schwierigkeiten nicht unter den Teppich von Lehrplanerfüllungen und einheitlichen Schulabschlüssen kehren will.

Eine Initiative gegen die Verkrustung unserer Schullandschaft. Des Wagemuts bedarf es da schon – der Kultusminister wird ihn auch brauchen, wenn er andere, sehr ernsthafte Initiativen (wie die um eine künftige Comenius-Schule in Darmstadt oder die der Gruppe "Freie Schule II") genehmigen möchte.

Milliardenbeträge werden für Forschung ausgegeben, Pädagogen dagegen, die neue Wege aufspüren, stehen immer mehr im Abseits. Da wird auf das Altbewährte gesetzt, Zukunftsängste werden geschürt. Auch Frankfurts städtischer Kulturdezernent Mihm hatte versucht, Eltern von diesem Ungeheuer abzuschrecken. Eine "Verbeugung vor den Systemveränderungen, die junge Menschen für ihre ideologischen Ziele als Instrumente benutzen wollen", kommentierte er die Genehmigung: Der Wissensstand am Ende der Grundschulzeit werde dem Zufall überlassen. Das alles, weil eine verschwindende Minderheit auf ihre Weise versucht, die pädagogische vor die bürokratische Vernunft zu setzen.

Hat es Pestalozzi vor über 200 Jahren besser gewußt? Wie ein Plädoyer für freie Schulen klingen einige Sätze: Nachdem er die Schulbelehrung rügt, "die Schall und Rede und Wort anstatt Wahrheit aus Realgegenständen zur Grundlage" ihrer Arbeit mache, schreibt er: "Diese künstliche Bahn der Schule, die allenthalben die Ordnung der Worte der freien, wartenden, langsamen Natur vordrängt, bildet den Menschen zu künstlichem Schimmer, der den Mangel innerer Naturkraft bedeckt und Zeiten wie unser Jahrhundert befriedigt." (1780) Horst Rumpf