ZEIT: Herr Haberl, das Bundesland Bayern hat sich offiziell gegen den Bonner Verkehrsminister gestellt. Bayerische Autofahrer, die es versäumen, die seit 1985 einmal jährlich fällige Abgassonderuntersuchung vornehmen zu lassen, sollen von der landeseigenen Polizei nicht mehr behelligt werden. Halten Sie das in Sachen Umweltschutz für eine gute Entwicklung?

Haberl: Ich halte diese Entwicklung für absolut falsch – obwohl die Abgassonderuntersuchung – kurz ASU – nie zum Ziel hatte, etwas zum Schutz des Waldes zu tun. Hier geht es vorrangig um die Reduzierung der Kohlenmonoxid-Emission durch eine korrekte Einstellung des Automotors. Geschätzt wurde im Herbst 1984, daß die ASU etwa 1,1 Millionen Tonnen CO im Jahr einspart, das sind zwischen fünfzehn und zwanzig Prozent. Die Ist-Ergebnisse, die der TÜV jetzt vorgelegt hat, liegen sogar bei 1,5 Millionen Tonnen.

Für mich ist es deshalb völlig unverständlich, daß man jetzt plötzlich die Entscheidung in Frage stellt, und zwar mit dem Hinweis, es würden keine Stickoxid-Einsparungen erreicht – das war gar nicht die Absicht.

ZEIT: Wider Erwarten konnte durch die ASU sogar bei den Stickoxiden auch etwas eingespart werden.

Haberl: Richtig.

ZEIT: Was ist denn dann der eigentliche Grund für die Attacke der Bayern gegen die ASU?

Haberl: Es ist naheliegend, an den bevorstehenden Landtagswahlen in Bayern zu denken. Offenbar möchte man sich beim Autofahrer einschmeicheln. Ich fürchte nur, daß sich da die bayerische Staatsregierung ein falsches Bild macht, weil der Autofahrer – überwiegend jedenfalls – inzwischen die Abgassonderuntersuchung und deren Sinn akzeptiert hat. Sie kosten ihn, wenn er sie im Rahmen seiner Jahresinspektion machen läßt, ohnehin nichts zusätzlich, im Gegenteil: Der Autofahrer spart Geld, weil er bei einer durchschnittlichen Jahreskilometerleistung durch geringeren Benzinverbrauch 75 Mark im Jahr spart.