Wende oder Buckel? Das fragen die Experten, wenn Sie die Zinsentwicklung am deutschen Kapitalmarkt betrachten. Bis Mitte April liefen die Zinsen so, wie es in den Prognosen der Banken und Forschungsinstitute vorhergesagt wurde. Die öffentlichen Anleihen erreichten genau am 21. April mit einer Rendite von 5,36 Prozent einen Tiefpunkt. Doch seitdem steigen die Zinsen, die Papiere von Bund, Bundesbahn und Bundespost bringen den Anlegern jetzt schon wieder rund sechs Prozent – soviel wie im Februar dieses Jahres.

Die Ursachen der deutlichen Korrektur kann man in den Tageszeitungen nachlesen: Ausländische Schuldner drängen auf den billigen deutschen Markt, ausländische Gläubiger bauen ihre Bestände ab, und die Deutsche Bundesbank dreht zwar nicht den Geldhahn zu, tut aber auch nichts gegen die zinssteigernden Tendenzen am deutschen Kapitalmarkt.

Die Frage ist nur, ob wir uns diese Zinssteigerungen leisten können. Die Wirtschaftszahlen für die ersten vier Monate dieses Jahres zeigen, daß es mit der Konjunktur längst nicht so aufwärts geht wie erhofft. Investitions- und Konsumausgaben blieben bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Es muß also etwas getan werden, wenn der Aufschwung nicht Hoffnung bleiben soll. Steigende Zinsen sind jetzt ein deutliches Signal für die Regierung und die Notenbank, aus der sich abzeichnenden Zinswende einen Buckel zu machen.