Beim Grinsen zerbeulen Fettpolster sein feistes Gesicht. Der erhobene Zeigefinger seiner rechten Pranke ist dick wie eine Knackwurst. Er hat eine Frisur wir Franz Josef Strauß und die fliehende Stirn des Neandertalers. Die Nase ist ein fleischiger Rüssel, und der riesige Schädel wirkt auf dem massigen Körper fast klein. Dieser voluminöse Herr mit dem Lodenjanker und der Trachtenkrawatte ist bei strahlender Laune. Er will uns offenbar etwas vorführen, was ihn besonders freut. "Ein Herr aus der Steiermark läßt einen fahren" hat der Wiener Cartoonist Deix sein Bauernporträt genannt.

Sollte uns das Ereignis, das dieser Bauer so freudig ankündigt, womöglich nicht gefallen, könnte die Sonntagsstimmung des Herrn leicht umschlagen. Man ahnt beim Betrachten des Bildes, was passieren könnte. Dann hat der Miesmacher die tellergroße Pranke des Alpenländlers im Gesicht. Batsch! Es gehört zur jovialen Art solcher Herren, daß sie auch einmal kräftig hinlangen. Das heißt dann soviel wie "Sauhammel, gscherter!" und gehört in der verbalen wie der nonverbalen Variante zum Umgangston der Gegend. Und damit haben wir die Steiermark bereits verlassen und sind über Passau und Wildbad Kreuth nach München gekommen. Auch in Bayern geht es nämlich gemütlich zu.

Den politischen Diskurs kann man im Moment mühelos einem Lexikon lautimitierender Wörter der Comicsprache entnehmen. Platsch! machen die Wasserwerfer in Wackersdorf, Bum! die Molotowcocktails der Demonstranten, die der bayerische Innenminister Hillermeier gern mit einem Peng! seiner Polizisten übertönen möchte. Als dem bayerischen Fernsehdirektor, Herrn Oeller, Dieter Hildebrandts letzter "Scheibenwischer" nicht gefiel, machte es Plöpp! und schon war die Sendung bayernweit abgeschaltet.

Es ist bezeichnend, daß sich zum Beispiel das neue Buch von Herbert Achternbusch liest, als wäre es aus Notwehr geschrieben, aggressivste Selbstverteidigung. Batsch! Batsch! Das ist es, was man aus "Breitenbach" herausliest. Über eine konservative politische Organisation, deren Namen nie genannt wird und die im Text nur als schwarzer Balken erscheint, heißt es: "Ich möchte, daß diese Partei zugrundegeht, sine qua non." Das Buch ist nicht mehr viel feiner als die Manieren des feisten Herrn aus der Steiermark. Aber schließlich ist es nicht Achternbusch, der den Stil der Auseinandersetzungen bestimmt. Auf Platsch! reimt sich Batsch! Im Moment kann nicht einmal der Föhn das politische Klima in Bayern aufheitern.

Dem Bayerischen Staatsschauspiel ist das schon seit längerem bekannt. Noch am Tag vor der letzten Premiere der Direktion Baumbauer, einer Dramatisierung von Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg", war im Kulturteil des Münchner Merkur von "skandalösen Vorgängen" die Rede, wurde unter dem Titel "Verkommenes Staatsschauspiel" ein Brief des bayerischen Kultusministers Hans Maier abgedruckt. Beispiellos ist dieser Brief vor allem, weil er die Feuchtwanger-Bearbeitung von Thomas Petz unbesehen politischer Manipulationen verdächtigt. "An ihren Manipulationen sollt ihr sie erkennen!", schrieb der Minister in der Rolle des Propheten an seine Bayern. Und damit haben wir die Tagespolitik bereits verlassen und sind mitten in Feuchtwangers "Erfolg".

Der Roman (und seine Dramatisierung) spielen im Bayern der Inflationsjahre zwischen Räterepublik und Hitlerputsch. Die bayerische Regierung ist gerade wieder einmal dabei, durch obrigkeitsstaatliche Maßnahmen von sich reden zu machen. Feuchtwanger erzählt einen Fall von Rechtsbeugung: Der Kunstwissenschaftler und Galeriedirektor Krüger, der eine unerwünschte Ausstellung moderner Kunst zu verantworten hat, wird durch einen bestellten Meineid hinter Gitter und allmählich um sein Leben gebracht.

Feuchtwangers Roman wirkt noch heute wie ein riesiges politisches Pamphlet: gegen München, diese "träge", diese "ungewöhnlich erkenntnislose Stadt" (in der Feuchtwanger damals lebte); gegen die genießende Klasse und andere Kriegsgewinnler (die sich damals in Garmisch tummelten); gegen die Verfilzung des Parlaments und die gesamte bayerische Stammtischpolitik. Plastisch treten Feuchtwangers Figuren aus unserem Alltag hervor.