Aufgeschreckt durch den musikalischen Urknall machten sich die Berufsinterpreten an die Analysearbeit. Punk wurde erklärt als: Ästhetik der Langeweile, Spektakel der Entgrenzung, Arbeitslosen-Rock und Reflex einer für viele Teenager unbewohnbar gewordenen Gegenwart. Doch bevor sich eine schlüssige Theorie herausschälte, war alles schon wieder vorbei. Die heroische Phase des Punks endete in England 1977, in der Bundesrepublik 1980.

Die Leichenfledderei begann. Punk-Accessoires wie Sicherheitsnadeln wurden, diamantverziert, zur Boutiqueware. Und die Kulturboheme zahlte Höchstpreise für schäbige Lederjacken mit aufgesprühten Slogans wie "No Gods No Masters". Der Punk verkam zur Pose; die Revolte endete im Konsumkampf um das richtige Textil.

Der definitive Zusammenbruch kündigte sich 1981 an, als das renommierte Londoner Victoria and Albert Museum für umgerechnet 4200 Mark ein zerschlissenes T-Shirt von John Lydon sowie die Originalgrafik der ersten Sex-Pistols-LP erwarb. Gerade fünf Jahre alt – und schon war der Punk museumsreif.

Der Charme des Nihilismus

Berlin, 31. Mai 1986: Zehn Jahre nach der Geburt des Punk gastiert John Lydon unter dem Namen "Public Image Limited" (PIL) im Tempodrom-Zelt. Die Musikpresse hatte sich schon Wochen vorher über das Ereignis gestritten: Die einen handeln PIL als "eine der größten Enttäuschungen in der Geschichte der neueren Popmusik" (Tip); andere beharren darauf, in Lydon den kommenden Messias zu sehen.

Bei der Gründung von PIL hatte der heute 30jährige nicht bloß eine Rockband angekündigt, sondern ein multimediales Unternehmen: "We’re not a band, we’re a Company – a communications Company." Mit dem Punk-Image und der Bevormundung durch Produzenten sollte Schluß sein. Resümee und Ankündigung zugleich war der Song "Public Image":

"Public Image / You got what you wanted / Public Image / You never listened to the words I said / You only seen me for the clothes I wear / Or did the interest go so much deeper / It must have been the colour of my hair / Public Image / Public Image / It belongs to me."