Auf Grund des Reaktorunglücks in Tschernobyl hat das Saarländische Staatstheater Saarbrücken eine Umstellung im Spielplan der kommenden Saison vorgenommen. Das zur Premiere am 21. September 1986 in der "Alten Feuerwache" vorgesehene Fußballstück "Null zu Null oder Die Wiederbelebung des Angriffsspiels" von Wolf-Dietrich Sprenger wird auf eine spätere Spielzeit verschoben. Statt dessen wird am selben Tag Hans Magnus Enzensbergers "Der Untergang der Titanic" herauskommen. Enzensberger nennt das Stück vermutlich in Anlehnung an Dantes "Göttliche Komödie" eine Komödie.

Pressemitteilung des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken vom 27. Mai 1986

Klebe folgt Grass

Die drei Jahre seiner Amtsperiode schienen Günter Grass zu reichen: einer neuerlichen Bewerbung um das Amt des Präsidenten der Berliner Akademie der Künste jedenfalls mochte sich der Romanautor nicht stellen. "Die Akademie und ihre Mitglieder mit den katastrophalen Tendenzen unserer Zeit zu konfrontieren", so umriß Grass seine präsidiale Absicht und Aufgabe im Nachhinein. In der Realität sah es so aus: er verordnete Ausstellungen über den Wald oder die Türken und nannte in einer berüchtigten Rede die Künstler des Abstrakten verantwortungslos gegenüber den realen Miseren. Zu seinem Nachfolger wurde (mit knapper Mehrheit gegenüber dem Kandidaten Egon Monk) der Komponist Giselher Klebe gewählt, zum Vizepräsidenten der schweizerische Künstler und Architekt Max Bill. Klebe, ein in seinen Sujets der Literatur stark verbundener Vertreter der Zwölftonmusik, wurde 1925 in Mannheim geboren und ist seit 1962 Professor für Komposition und Musiktheorie an der Musikakademie in Detmold. Zum Sforzato hat er weniger Neigung als sein Vorgänger.

Städtebau-Ideen für Berlin

Die Hoffnung hat offensichtlich nicht gänzlich getrogen, nämlich, daß sich die Architekten, die sich an dem Berliner Ideen-Wettbewerb um das heiß umstrittene Gebiet am Platz der Republik mit dem Reichstag beteiligen würden, couragiert über die allzu banalen Vorgaben hinwegsetzen. Dazu gehörte ja das Versprechen an Bundeskanzler Kohl, das Deutsche Historische Museum, das er Berlin zur 750-Jahr-Feier 1987 zu schenken vorhat, dem Reichstag genau gegenüber zu errichten, da, wo früher die Kroll-Oper gestanden hatte. Nun ist der von vielen mit Skepsis verfolgte Wettbewerb entschieden worden. Die zwanzig Juroren hielten das Qualitätsniveau der 89 Arbeiten für "nicht besonders". So vergaben sie keinen ersten, sondern nur drei zweite und einen dritten. Preis und kauften vier weitere Entwürfe an. Trotzdem, sagen sie, habe sich die Anstrengung gelohnt und interessante Vorschläge hervorgebracht. Dazu gehört die von den Preisrichtern (offenbar nicht ohne Kontroversen) favorisierte Verlegung des Kohl’schen Geschichtsmuseums aus der Achse des Reichstages, auch weg vom Kroll-Opern-Paket, oder, was viele besonders symphatisch fanden, auf das nördliche Ufer der Spree. Ihre Erkenntnis ist: daß das Flußufer von Gebäuden freigehalten werden sollte, daß statt dessen seine landschaftliche Gestaltung anzustreben sei, daß Wohnbauten allein hier kein lebensfähiges Stadtquartier ergäben, daß der Verkehr so verlaufen kann wie bisher. Die Jury empfiehlt dem Senat, an den besten Entwürfen weiterdenken zu lassen. Nur – mit der Grundsteinlegung nächstes Jahr für das Historische Museum wird es nun wohl nichts.

Sterling Kay den

Zuletzt sah man ihn auf einem Lastkahn, den er sich zum Wohnkahn umgebaut hatte, mit ihm fuhr er die Flüsse und Kanäle Frankreichs, Belgiens und Hollands ab; so sah man ihn in Wolf-Eckart Bühlers und Manfred Blanks Film "Leuchtturm des Chaos". Hayden erzählt in dem Film, daß er schon mit 20 Kapitän war und mit 23 sein erstes Schiff in der Südsee verlor. Daß er sich an Hollywood nur verkauft habe (Schauspieler in über 60 Filmen), um sich immer wieder Schiffe kaufen zu können. Er soll insgesamt 18 Schiffe besessen haben, und mit einem davon griff der Partisan der Meere, der nirgendwo zu Hause sein wollte, in den Kampf der jugoslawischen Partisanen gegen Hitler ein. Er kehrte als Kriegsheld in die USA zurück und kam dann als Mitglied der kommunistischen Partei auf McCarthys Schwarze Liste. Sterling Hayden hat bei Kubrick, Coppola, Altman und Bertolucci gespielt. Geprägt war er vor allem von John Huston ("Asphalt Jungle") und Nicholas Ray, der Hayden neben Joan Crawford in dem bizarren Western "Johnny Guitar" die Titelrolle gab. Sterling Hayden ist, 70 Jahre alt, in Sausalito/Kalifornien gestorben.