In West-Berlin gibt es ferner zahlreiche Konsulate und Generalkonsulate anderer Staaten, die in der Regel den jeweiligen Botschaften in Bonn unterstehen. Ihre Mitglieder erhalten eine braune Identitätskarte des Alliierten Kontrollrats mit den Unterschriften der drei westlichen Stadtkommandanten. Das heißt, ihr Amtsbezirk erstreckt sich nur auf West-Berlin.

Ferner gibt es in West-Berlin Militärmissionen der ehemaligen Kriegsgegner Australien, Belgien, Dänemark, Griechenland, Jugoslawien, Kanada, Niederlande, Norwegen, Polen und Tschechoslowakei. Auch sie haben in der Regel Identitätskarten des Alliierten Kontrollrats. Sie sind keine militärischen Verbindungsstäbe, sondern Missionen mit besonderem Status; zum Teil sind ihnen große Handelsabteilungen angegliedert. Ihre Mitglieder haben eine Identitätskarte des Alliierten Kontrollrats mit dem Eindruck, "hat die Erlaubnis, innerhalb der Grenzen Groß-Berlins zu reisen". In ihren normalen Paß bekommen sie entsprechende Stempel der alliierten Stadtkommandanten. Nur die Polen und Tschechoslowaken haben sich dieser Prozedur entzogen.

Schon vor einigen Jahren hat die DDR von den Mitgliedern der Konsulate und Missionen in West-Berlin verlangt, daß sie an der Grenze nicht die Identitätskarte des Kontrollrats, sondern ihren Diplomatenpaß zeigen. Diese Prozedur wurde hingenommen, von den direkt Betroffenen nicht einmal ungern, weil sie sich mit den Diplomatenpässen sogar noch aufgewertet fühlten.

Die jetzt von der DDR verfügten Maßnamen bringen zweierlei Änderungen: Angehörige der Botschaften in Ost-Berlin sollen beim Grenzübertritt nicht mehr ihren von der DDR ausgestellten Diplomatenausweis, sondern einen Paß zeigen. Das gilt auch für die Ständige Vertretung. Die DDR-Regierung hat dies jedoch bereits korrigiert, indem sie nachträglich eine Ausnahme für die vier Siegermächte verkündet hat, "deren Verpflichtungen aus dem vierseitigen Abkommen hinsichtlich West-Berlins berücksichtigt" werden. Für die Alliierten hat sich also nichts geändert.

Die Mitglieder der übrigen Botschaften und der Ständigen Vertretung müssen einen Paß zeigen; tun sie das nicht – wie die Angehörigen aller Nato-Staaten und einiger anderer Länder wie Japan –, dann dürfen sie die Sektorengrenze nicht passieren. Wollen sie nach West-Berlin, so fahren sie über die DDR, weil sie dann ohnehin ihren Paß mit Dauervisum benötigen, denn dabei handelt es sich nicht mehr um den innerstädtischen Verkehr. West-Berlin erreichen sie über die Grenzübergänge zwischen Berlin und der DDR, also Heerstraße, Dreilinden und Heiligensee. Das führt zu weiten, mühsamen Umwegen, die besonders beschwerlich für jene sind, die täglich nach West-Berlin müssen, etwa für Diplomatenkinder über 14 Jahren, die hier eine Schule besuchen.

Von den Mitgliedern der in West-Berlin ansässigen Konsulate und Missionen verlangt die DDR bei der Einreise nach Ost-Berlin nun nicht mehr nur einen Paß, sondern auch ein Visum. Das ist besonders schwerwiegend für die Angehörigen von Militärmissionen, weil sie nach alliiertem Recht hier sind, das ihnen Bewegungsfreiheit für ganz Berlin garantiert. Auch dies wollen die Westmächte nicht hinnehmen, weil die DDR keine Befugnis hat, alliierte Rechte auszuhöhlen.

Inzwischen hat SED-Chef Honecker in einem Gespräch mit Hans-Jochen Vogel angedeutet, die DDR wolle das Problem nicht auf die Spitze treiben. Es scheint, als wolle die DDR ihre alten Diplomatenausweise, die alles andere als fälschungssicher sind, in absehbarer Zeit durch neue ersetzen und dann auf den Paßzwang für bei ihr akkreditiertes diplomatisches Personal wieder verzichten. Außerdem wollen die in West-Berlin ansässigen Konsulate und Missionen testen, ob die DDR statt der Pässe die alten, fast vergessenen Identitätskarten des Kontrollrats anerkennt und dann auf den Visumszwang verzichtet.