Die Regierung hatte diese Reform mit dem Ziel einer verminderten Lohnkostensteigerung und damit einer Beruhigung der Inflation durchgesetzt. Entschied sich nun die Volksmehrheit für eine Kündigung, dann war nicht nur das Sanierungsprogramm der Regierung, sondern auch die Regierung selbst erledigt.

Die KPI rechnete damit, daß ihr die Mobilisierung der Gewerkschaftsmassen den Abstimmungssieg sichern würde. Schließlich hatten die Beschäftigten für diesen Fall eine Nachzahlung der inzwischen gestrichenen Zulagen zu erwarten. Außerdem wären die vorher gültigen, für alle Beschäftigten punktgleichen Teuerungszuschläge wieder in Kraft getreten.

Luciano Lama wehrte sich gegen das Projekt seiner Partei. Er kannte die Stimmung im Lande besser. Und er sah ein, daß sich das soziale Klima inzwischen in Italien völlig gewandelt hatte. Mit Klassenkampfparolen und Gleichmacherei waren keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen. Also riet er inständig von dieser Kraftprobe ab. Aber die kommunistische Parteileitung blieb hart. Da mußte sich auch Lama fügen und gegen seine Überzeugung zu einer Attacke blasen, die seine Partei dann glatt verlor.

Die Abstimmungsniederlage wurde dadurch noch peinlicher, daß nun auch die Aktionsgemeinschaft der drei parteipolitisch orientierten Hauptgewerkschaftsverbände zerbrach. Die sozialistische UIL (Unione Italiana dei Lavoratori) mit ihren anderthalb Millionen Mitgliedern und die christdemokratisch gelenkte CISL (Confederazione Italiana Sindacati dei Lavoratori), die eine doppelt so große Mannschaft zählt, wollten die von ihren Parteien getragene Koalitionsregierung nicht außer Gefecht setzen. Außerdem waren viele Beschäftigte, die sich in den letzten Jahren am Arbeitsplatz spezialisiert haben, es endgültig leid, für Gleichmacherei und somit für ihren eigenen beruflichen Nachteil zu stimmt

Beide Hauptgewerkschaften kündigten also der kommunistisch beherrschten CGIL die jahrzehntelange Weggenossenschaft auf, welche sie dem 4,5 Millionen Mitglieder zählenden großen Bruder bis dahin widerspruchslos geleistet hatten. Noch schlimmer: Selbst die sozialistische Minderheit in der CGIL muckte auf.

Ein Dreivierteljahr nach dieser gewerkschaftlichen Götterdämmerung wird zwar in den Festreden der Funktionäre aller drei Gewerkschaftsverbände wieder die alte Einheit beschworen, doch ist davon in der Praxis nicht viel zu spüren. Jedenfalls werden die Verhandlungen mit den Sozialpartnern und mit der Regierung immer wieder verschoben, um nur ja keine internen Zwistigkeiten auszulösen.

Um ihren direkten Einfluß in der CGIL-Leitung zu sichern, hat der linke KPI-Flügel Sergio Garavini auf den Thron des Leiters der von der CGIL beherrschten Metallarbeitergewerkschaft gehievt, der eisernen Division im Klassenkampf. Garavini ist ein Apparatschik, der sich auf die alte Arbeiterklasse stützt. Gerade diese graue Masse, die immer bereit ist, zum proletarischen Protest die rote Fahne zu schwingen, zerbröckelt jedoch in den von Rationalisierung und Elektronik umgekrempelten Betrieben immer schneller.