Können mit der Kenntnis der Risikofaktoren Schizophrenien verhindert werden?

Von Regina Oehler

Eigentlich kann "jeder in seinem Leben auch mal schizophren werden. Ich glaube jedenfalls daran." Peter Fiedler sagt das eher vergnügt. Den Schizophrenie-Forscher und Psychologie-Professor an der Universität Heidelberg scheint die Vorstellung nicht zu schrecken, in sich selbst "Verrücktes" und "Zerrissenes" zu entdecken. Dabei ist diese Angst wohl ein Grund, weshalb die schizophrenen Leiden auch als "vergessene Krankheiten" bezeichnet werden.

Schizophrenien sind freilich alles andere als selten: Mindestens einer von hundert Bundesbürgern erkrankt einmal in seinem Leben an Schizophrenie. Für die Betroffenen und ihre Familien beginnt damit oft eine Leidenszeit, in der sie nicht nur an der Krankheit, sondern auch an den Vorurteilen ihrer Umwelt schwer zu tragen haben.

Hinter dem Wort "Schizophrenie" verbirgt sich ein ganzes Bündel von Krankheiten, deren eigentliche Ursachen immer noch im dunkeln liegen. Immerhin sind einige erfolgversprechende neue Forschungsansätze sichtbar: Wissenschaftler versuchen, Gefährdungen rechtzeitig zu erkennen, um schizophrene Erkrankungen von vornherein verhindern zu können. Und viele neue Studien zeigen, wie sich der Krankheitsverlauf günstig beeinflussen läßt – sei es durch eine gezielter eingesetzte und risikoärmere medikamentöse Therapie, sei es durch psychotherapeutische Arbeit mit den Patienten und ihren Angehörigen.

Das Verhalten der "Schizophrenen", so lautet die landläufige Annahme, ist bizarr. Sie hören innere Stimmen, haben Halluzinationen und geben sich Wahnvorstellungen hin. Dabei sind die Grundsymptome schizophrener Erkrankungen eher unauffällig. Dazu gehören Denkstörungen, wie zum Beispiel unangebrachte Assoziationen, Störungen im Gefühlsleben ("Affektverflachung"), der Rückzug aus dem sozialen Leben und schließlich der Verlust des Realitätsbezuges – alles sogenannte "negative Symptome", denn mit ihnen gehen ja frühere Fähigkeiten verloren.

Oft, aber nicht immer, treten auch "positive Symptome" auf: Die Patienten haben dann zum Beispiel das Gefühl, ihre Gedanken würden von außen kontrolliert, Stimmen würden alle ihre Handlungen mit verächtlichen Kommentaren begleiten, andere Menschen sie verfolgen.