Vor dem Untersuchungsausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses haben Politiker der CDU neues Licht in die Affäre um den wegen Korruption angeklagten früheren Baustadtrat Wolfgang Antes gebracht.

Während der Strafprozeß gegen Antes sich auch nach zehn Verhandlungstagen vor allem mit Verfahrensfragen dahinschleppt, kommt der Parlamentarische Untersuchungsausschuß zur Aufklärung der Korruptionsaffäre zügig voran. Dort zeichnet sich ab, daß die Berliner CDU vor den Wahlen vom März 1985 an einer möglichst geräuschlosen Beilegung der Antes-Affäre interessiert war und CDU-Politiker entsprechend handelten. Als Antes in seinem Amt als Charlottenburger Baustadtrat nicht mehr zu halten war, konnten seine Parteifreunde ihn erst zum Rücktritt bewegen, nachdem CDU-Generalsekretär Klaus Landowsky ihm versprochen hatte, öffentlich klarzustellen, daß dieser Rücktritt kein Schuldbekenntnis sei. Zugleich gab es Bemühungen, Antes in der Senatsverwaltung für das Schulwesen unterzubringen.

Obwohl viele CDU-Politiker, auch Landowsky, Antes für korrupt hielten, fehlten ihnen offenbar die Beweise. Außerdem lag Antes mit seinem Charlottenburger Bezirksbürgermeister Eckard Lindemann und dessen Rechtsamtsleiter Gosten in einer vor allem persönlich motivierten Fehde.

Während im Amtsbereich von Antes wiederholt Akten verschwanden, so daß intern vom „Bermuda-Dreieck“ die Rede war, nannte der Baustadtrat seinen Vorgesetzten Lindemann ungeniert „Chaoten-Ecki“. Diese Animositäten beherrschten auch den Charlottenburger Kreisverband der CDU, hatten möglicherweise dort sogar ihren Ursprung; sie prägen jetzt auch die Aussagen aller Beteiligten vor dem Untersuchungsausschuß. Darum auch sahen Mitglieder des Berliner CDU-Landesvorstandes wie auch des Charlottenburger Kreisverbandes die anfänglichen Verdächtigungen und Ermittlungen gegen Antes nur als Folge der persönlichen Querelen an und nahmen sie deshalb wohl nicht ganz ernst.

Der jetzige Innen- und frühere Wissenschaftssenator Wilhelm Kewenig sagte jetzt vor dem Ausschuß, Antes und Lindemann hätten sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Auch darum habe er von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Antes nichts gehalten; er habe geglaubt, „hier wird die Juristerei mißbraucht“.

Er habe aber zusammen mit Landowsky Antes von der Notwendigkeit seines Rücktritts überzeugt, es habe jedoch keine Zusage gegeben, daß Antes dafür „politisch entschädigt“ werden solle. Kewenig bestritt auch, daß er seine „schützende Hand“ über Antes gehalten habe.

Andere Zeugen sahen es anders: Landowsky, Kewenig und der CDU-Bundestagsabgeordnete Kittelmann hätten auf Lindemann Druck ausgeübt, um Antes so vor einem Disziplinarverfahren zu verschonen. Auch Lindemann selber bestätigte das; der Druck sei immer stärker geworden, je näher der Wahltermin rückte. Lindemann sagte aber auch, es habe damals gegen Antes nur einen „vagen Verdacht“ und keine Beweise gegeben. Der Rechtsamtsleiter Gosten dagegen hatte schon 1984 einen „schweren Verdacht“ gegen Antes. Immer wieder beanstandete er auch, daß Antes immer dann, wenn seine Entscheidungen mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren gewesen seien, erklärt habe, es werde eben „politisch entschieden, fertig, aus“.