An Pfingsten entführten nicaraguanische Contras acht deutsche Aufbauhelfer, Freiwillige, die nicht im Dienste eines offiziellen Entwicklungsprojektes stehen, sondern auf eigene Kosten bei zivilen Bauten helfen. Am Mittwoch dieser Woche kamen die Entführten endlich wieder frei. Die schier unendliche Geduld der Vermittler – voran Jürgen Wischnewski und die katholische Kirche – hat sich gelohnt.

Contras und Sandinisten trieben mit den Geiseln dreieinhalb Wochen lang ein böses Spiel. Keinem von beiden ging es allein darum, das Leben unschuldiger Menschen zu retten. Die Contras nutzten die Gelegenheit, um freiwillige Helfer abzuschrecken und ihre Feinde in Managua in Verruf zu bringen. Den Sandinisten lag daran, sie als menschenverachtende Bande vorzuführen, die im Solde Washingtons jene Menschenrechte verletzt, für die sie angeblich kämpft.

Da wurde mit Hilflosen Politik gemacht. Den Entführern kamen die Geiseln gelegen, um die Sandinisten zu direkten Verhandlungen zu zwingen; die Regierung hatte sie bisher mit dem Argument abgelehnt, mit Mördern setze sie sich nicht an einen Tisch. Da ging es nicht nur um das Leben von acht Deutschen, da ging es um Prestige, um taktische Vorteile. In Nicaragua herrscht Krieg, ein schmutziger, unbarmherziger Krieg – und wehe den fremden Idealisten, die zwischen die Fronten geraten. H. B.