Helmut Kohl kann in Hannover wenig verlieren, Johannes Rau nicht viel gewinnen

Von Gunter Hofmann

Eine "großartige" Chance zu gewinnen sieht Helmut Kohl, wie er jüngst im niedersächsischen Wahlkampf verriet. Selbstredend duldet er auch keinen Zweifel daran, daß er in sieben Monaten als Kanzler bestätigt werde – ja, auf jeden Fall; gleichgültig, wie Ernst Albrecht am Sonntag in Hannover abschneiden wird.

Nach dem politischen Freund Ruud Lubbers in den Niederlanden hat nun auch noch der persönliche österreichische Freund gesiegt. Was soll denn noch schiefgehen für ihn? Der Kanzler hält nicht viel von der "Stimmungsdemokratie", aber so viel doch, um ganz auf den Erfolg zu setzen, der aus guter Laune und Stimmung stammt.

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Auffallend ist schon, wie befreit Helmut Kohl wirkt, so, als könne ihm nichts mehr passieren, egal, was die niedersächsische Wahlnacht beschert. Dafür gibt es auch Gründe. Im niedersächsischen Wahlkampf ging es zwar um einen ersten Probelauf in der neuen Konstellation: hier der Amtsinhaber Helmut Kohl, da der Kandidat Johannes Rau. Aber zu einem Duell ist es nicht gekommen, konnte es auch kaum kommen. Bevor die Wähler nämlich einmal über die Alternative zu entscheiden haben, um die es nach Ansicht des Kandidaten "immer deutlicher" in den nächsten Monaten gehen wird, "Helmut Kohl oder Johannes Rau", mußte erst Kohl mit seiner Partei und die Union mit ihm zu Rande kommen.

Erste Erfahrungen allerdings, die einen Blick nach vorne, auf die Rivalen Kohl und Rau, aber auch in die politische Landschaft des Wahljahres gestatten, ließen sich schon sammeln. Zum Beispiel, wie sich Helmut Kohl nach Tschernobyl verhielt – das wirklich Interessante und für seine Partei wohl auch Beschwichtigende liegt darin, mit welchem Machtinstinkt der Kanzler reagiert hat, ohne in der Sache viel (wenn überhaupt etwas) zu ändern.