ZEIT: Die Umweltpolitiker predigen uns, Altpapier nicht in die Mülltonnen zu werfen, sondern getrennt für die Wiederverwertung zu sammeln. Sie halten das für Unsinn. Warum?

Sudan: Die Intentionen der Umweltpolitiker waren ursprünglich gut, aber sie haben nicht vorhergesehen, daß einmal mehr Papier gesammelt würde, als man verwerten kann. Etwa fünf Millionen Tonnen Altpapier fallen jährlich in der Bundesrepublik als Abfall an, und viele Lokalpolitiker versuchen, es in der eigenen Region aus dem Müll zu filtrieren. Die Mengen haben auf dem Altpapiermarkt zu einem solchen Preisverfall geführt, daß in vielen Gebieten die Sammelaktionen subventioniert werden müssen. Das heißt: Der Bürger muß wegen der Altpapiersammlungen höhere Abfallgebühren zahlen.

ZEIT: Wie werden denn die Kommunen das Altpapier los, wenn es auf dem Markt Überschüsse gibt?

Sudan: Sie bieten es an wie Sauerbier. Einige Papierfabriken kaufen deshalb nicht mehr bei gewerblichen und karitativen Altpapiersammlern, sondern bei kommunalen Anbietern...

ZEIT: ... weil sie billiger sind?

Sudan: Genau. Papierfabriken und andere Abnehmer nutzen aus, daß die Kommunen und Politiker auf eine dauerhafte Entsorgung ihrer Altpapiermenge angewiesen sind, da sie das von ihnen gepredigte Konzept einer heilen Recycling-Welt aufrechterhalten müssen. Das geht inzwischen so weit, daß städtische und private Stadtreinigungsbetriebe, die Altpapier sammeln, den Altpapierverwertern zwanzig bis fünfzig Mark pro Tonne draufzahlen, damit sie die Ware abnehmen.

ZEIT: Wo passiert das?