Umschlagplatz der begehrten Winzlinge sind die vier Antwerpener Diamantenbörsen, die Tür an Tür liegen. Für normale Sterbliche ist der Zugang zu diesen verschwiegenen Tempeln des Handelns und Feilschens verboten. Nur etwa 3000 auserwählte Börsianer haben das Recht, die strengbewachten Gebäude zu betreten.

Aber auch draußen, in der Hoveniersstraat, wo sich die Eingänge der Börsen befinden, bekommt der Besucher einen Hauch vom aufregenden Geschäft mit den wertvollen Funkelsteinen mit. Schnellen Schrittes hasten die Händler zu den Kochereien, mittelalterlichen Aichemiestuben gleich, wo die Diamanten in einem Säurebad gereingt werden. Versicherungsgesellschaften bieten ihre Dienste feil, und verstaubte Laden verkaufen Schleifwerkzeug. Die Aktenkoffer, die oft mit einer Kette am Handgelenk der "diamantaires" befestigt sind, verraten wertvollen Inhalt. Alptraum der Sicherheitsbehörden sind diejenigen Geschäftsleute, die ihre Steine einfach in der Manteltasche tragen, ein Vermögen, nur in weißes Seidenpapier eingewickelt.

Im Innern der Börsen werden die Diamanten, für die es keine festgesetzten Kurse gibt, nach altem Brauch gehandelt, meist von Mann zu Mann, denn Frauen sind erst seit fünf Jahren dort zugelassen. Meistens besiegeln ein einfacher Handschlag und der jiddische Spruch "masel un broche", was soviel wie "Glück und Segen" heißt, den Deal. Wortbrüchige Händler werden vom eigenen Tribunal der Börse auf die schwarze Liste gesetzt. Dann bleiben ihnen auch die restlichen Diamantenbörsen in der Welt verschlossen.

Ein Dienst des Antwerpener Diamantenzentrums, den auch Nichtprofessionelle in Anspruch nehmen können, ist die Schätzung von Diamanten. 1974 führte der "Höge Raad voor Diamant" ein Echtheitszertifikat ein, das auf strengen Normen basiert und überall von den Weltdiamantenverbänden anerkannt wird. Manche stolze Schmuckträgerin, die sich auf einer Urlaubsreise einen Diamanten zum Ramschpreis hat andrehen lassen, ist beim Aushändigen des HRD-Zertifikates kreidebleich geworden, wenn sie erfahren mußte, daß ihr angeblich lupenreiner Stein von erstklassigem Blau-Weiß nichts anderes als ein wertloser Klunker war.

"Höge Raad voor Diamant", De Keyserlei 58–60, Tel.: (0032 3) 2 31 39 35, B–2018 Antwerpen; oder "Office de Tourisme de la Ville d’Anvers", Suikerui 19, Tel.: (0032 3) 2 32 01 03, B–2000 Antwerpen