Von Wolfgang Krüger

Das Buch hat den stolzen Umfang von 640 engbedruckten Seiten. Als Herausgeber firmiert eine "Projektgruppe Grüner Morgentau". An dem Unternehmen ist ein Aufgebot von 33 Autoren beteiligt – ehemalige oder noch ihres Amtes waltende Abgeordnete, wissenschaftliche Mitarbeiter der Fraktion beziehungsweise Fraktionen, den Grünen nahestehende Wissenschaftler –, die in etwa dreißig Beiträgen jene Politikfelder abhandeln, die in einem direkten oder indirekten Bezug zum Thema Wirtschaft stehen:

Projektgruppe Grüner Morgentau (Hg.): Perspektiven ökologischer Wirtschaftspolitik. Ansätze zur Kultivierung von ökonomischem Neuland Campus Verlag 1968, 640 Seiten, DM 68,–.

Zu erwarten ist also eine Art Positionsbestimmung der grünen Partei im Bereich Wirtschaft und Wirtschaftspolitik. Doch dem ist nicht so.

Gleich auf der ersten Seite des Vorwortes ist zu lesen: "Gewiß, es gibt erste Umrisse für ein wirtschaftspolitisches Alternativkonzept. ... Diese Gewißheit sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die wirtschaftlichen Ziel- und Wunschkataloge der Grünen alles andere als in sich schlüssig sind und keine den friedens- und umweltpolitischen Forderungen vergleichbare Überzeugungskraft aufweisen; statt grün hier eher Farblosigkeit oder irritierende Buntheit."

Dann auf Seite 18: Von einer alternativen Wirtschaftspolitik könne schon deswegen nicht gesprochen werden, ist da zu lesen, "weil es die Alternativbewegung nicht gibt und weil die wirtschaftspolitische Debatte in diesem Spektrum nur teilweise verbundener oder auch nur verbindungsfähiger Bewegungspartikel zu wenig entwickelt ist, als daß sich hier bereits Konzeptionen ermitteln ließen. Auch bei den Grünen, selbst nur ein Teil der Alternativbewegung – wenn auch ein vergleichsweise homogener –, kann nicht von einem auch nur annähernd einheitlichen wirtschaftspolitischen Konzept die Rede sein."

Und schließlich kurz und bündig auf Seite 88: "Jede direkte Frage nach der ordnungspolitischen Herkunft und Zukunft der Grünen fördert das Problem schnell an den Tag; wer versuchen würde, darauf eine eindeutige Antwort zu geben, wäre vermessen. So kann man allenfalls damit beginnen, einige Bruchstücke zusammenzutragen."