In der Tat, so ist es. Auch der Rezensent dieses ziegelsteindicken Wälzers sieht sich schon nach einem ersten Durchblättern vor die unmöglich zu lösende Aufgabe gestellt, auch nur in Umrissen den Inhalt eines Buches darzustellen, das sich aus einem Konglomerat von Einzelinhalten zusammensetzt, die in keinem erkennbar aufeinander abgestimmten Zusammenhang stehen.

Abgehandelt werden die Themen Energiepolitik, Chemische Industrie, Arbeitszeitpolitik, Produktionspolitik, Frauenarbeit, Sozialpolitik, Technologiepolitik, Geldpolitik, Haushalts- und Steuerpolitik, Außenwirtschaftspolitik. Wer also etwas Genaueres über den einen oder anderen dieser Sonderbereiche aus grüner Sicht erfahren will, wird dieses Buch nicht ohne Gewinn aus der Hand legen; schließlich handelt es sich um Autoren oder Autorenkollektive, deren Sachkompetenz unstrittig ist.

Wichtig ist allerdings, dabei im Auge zu behalten – und darauf wird in dem Buch immer wieder hingewiesen –, daß es sich bei diesen Abhandlungen nicht um die Meinung der Grünen handelt, sondern um einige der vielen möglichen Ansichten von Grünen oder ihnen geistig verbundener Experten zu einem bestimmten Sachkomplex.

Erhellender für die Geistes- und Seelenverfassung der Grünen – wenn natürlich auch keineswegs "repräsentativ" – sind die auf den ersten hundert Seiten des Buches den Spezialabhandlungen vorgeschalteten Beiträge allgemeinerer Art, die sich mit ordnungspolitischen Grundsatzfragen beschäftigen.

Bei der Lektüre dieser auf hohem Niveau geschriebenen Artikel – auch die "Eierköpfe" der Grünen müssen darauf achten, nicht von der Basis abzuheben – stößt der Leser, der dieses Buch in der frohen Erwartung zur Hand nimmt, nun endlich einmal auf etwas Greifbares nicht nur zu wirtschaftspolitischen Einzelfragen, sondern auch zu einer umgreifenden grünen wirtschaftspolitischen Konzeption zu erfahren, eine erstaunliche Tatsache. Ganz offensichtlich bereitet es den Grünen – auch hier muß man vorsichtshalber sagen: vielen Grünen – nicht den geringsten Kummer, eine solche Konzeption nicht, oder noch nicht, zu haben, Sie sind im Gegenteil geradezu glücklich darüber.

"Andere Parteien versuchen", schreibt einer der Autoren dieser Grundsatzreferate, "interne Unstimmigkeiten auf zentralistischem Wege zu lösen, um zu klaren Positionen zu kommen. Die Grünen sollten meiner Meinung nach dabei bleiben, Forum zu sein für die politische Debatte zwischen möglichst vielen Strömungen innerhalb der Alternativbewegung, und dies ohne den Zwang zur – ohnehin immer bloß formellen – Vereinheitlichung, auch wenn zu Wahlzeiten knappe Sätze gefordert sein mögen, hinter denen die ‚ ganze Partei‘ steht."

Die notorische "Programmscheu" der Grünen – die Abneigung, sich festzulegen und damit ihrer ausufernden kreativen Spontaneität Grenzen zu setzen – ist also schon in ihrem intellektuellen Nährboden tief verwurzelt. Nach diesem Buch zu urteilen, haben sie auf dem Weg von der Bewegung zur Partei noch eine lange Strecke zurückzulegen.