Von Stefan Lázár

Der Hauptdarsteller verließ fast unbemerkt die Bahn, die hochgeschobene Maske gab das runde Gesicht frei, die Haare, sonst so geschickt gekämmt, waren zerzaust, die hohe Stirn sichtbar – Zeichen der Zeit. Florettfechter Harald Hein hatte sein letztes Turnier gefochten, Anfang Mai in Bonn, sechzehn Jahre nach seinem ersten großen internationalen Erfolg. Eine der bemerkenswertesten Karrieren des bundesdeutschen Sports ging damit unauffällig zu Ende.

Begonnen hatte sie vor langer Zeit im Keller einer bescheidenen Sporthalle von Tauberbischofsheim. Damals war der Friseurmeister Emil Beck bei den Gemeindevätern erschienen und hatte Räumlichkeiten für ein Training mit Fechtern beansprucht. Den Bürgern der 12 OOO-Seelen-Gemeinde an der Romantischen Straße war diese Sportart so gut wie unbekannt. Dementsprechend war auch das Angebot: Ab mit den Waffenbrüdern in den Keller!

Die Beteiligten erinnern sich: "Der spärlich beleuchtete Raum war knapp zwei Meter hoch. Notdürftig isolierte Heizungsrohre blubberten über uns. Drei Fechtbahnen konnten aufgebaut werden. Tagsüber stand Emil in seinem Geschäft und verpaßte der Kundschaft elegante Frisuren."

Emil Beck und Harald Hein – das ist heute Fechtgeschichte. Der Start aus der Tiefe des Kellers führte zu einem Höhenflug, zu einem deutschen Fechtmärchen. Vier olympische Goldmedaillen, neun Weltmeistertitel, elf Europacup-Erfolge und 46 Weltpokalsiege bestimmen heute die Bilanz des Fechtclubs Tauberbischofsheim.

26 Jahre fochten sie gemeinsam, der "Fecht-Guru" für Finten, Paraden und Reposten und sein erster "Jünger", der mit zwölf Jahren viel lieber Fußball gespielt hätte. "Damals habe ich um ihn kämpfen müssen!" erinnert sich Beck und fügt hinzu: "Durch seine natürliche Begabung hätte er auch dort Erfolg gehabt." Die Fortschritte, die sie gemeinsam erzielten, schmiedeten sie zusammen. Die Trainingsmöglichkeiten wurden immer besser. Emil Beck, der zuerst auf einer Theaterbühne, dann in einer eigenen Turnhalle agierte, dirigiert heute ein komplettes Leistungszentrum.

Sportliche Ernte fuhr Harald Hein ein. 1970 Junioren-Weltmeister mit dem Florett, 1973 der erste Weltmeistertitel mit der Degenmannschaft. Dann die Qual der Wahl: Florett oder Degen?