Ferienland Hessen: Fort vom biederen Image

Das bisher eher biedere Bild des Bundeslandes Hessen soll durch eine neue Strategie geändert werden.

Auf dem zehnten Hessischen Fremdenverkehrstag, der gerade in Bad Hersfeld über die Bühne ging, stand die touristische Zukunft Hessens zur Debatte. Die Gespräche kreisten um ein rot-weiß gestreiftes Herz, aus dem blaue Quellfontänen springen; darüber sind grüne Hügel symbolisch angedeutet, die wiederum von einem roten Burgturm gekrönt werden. Dieses neue Symbol und der neue Slogan "Das Herz Deutschlands – Hessen" leiten eine Verkaufs-, Werbe- und Profilierungskampagne ein, mit der das Land in den nächsten beiden Jahren Abschied von der Biederkeit nehmen will. Denn, so fanden die Marktanalytiker einer Düsseldorfer Markengestalter-Firma heraus, das vorwiegend mit wirtschaftlichen und politischen Inhalten besetzte Bundesland leidet unter einem "allmählichen Verlust an Aktualität". Hessens Problem sei das Image. Schuld daran: "unmoderne Urlaubsformen" wie beispielsweise passive Erholung, ruhige Ferien, einfache Privatunterkünfte, Gasthöfe und Pensionen. Damit könne der moderne Urlauber nicht hinter dem Ofen hervor und nach Hessen gelockt werden. Nun müsse das Angebot auf sportlich, aktiv und naturnah getrimmt werden. Das Gewicht müsse vom traditionellen "biederen Pensionsurlaub" und vom "kultivierten Kururlaub" hin zum "schicken Sporturlaub" sowie zum ungezwungenen "Ferienpark-Urlaub" verschoben werden.

Das verlange allerdings auch neue Urlauberschichten. Die bislang überwiegenden Senioren, Rentner und alleinreisenden Frauen hätten eine eher konservative Einstellung zum Urlaub und vermittelten damit auch "unmodern wirkende Urlaubserinnerungen". Hessen, so die Düsseldorfer Marktstrategen, leide unter einer Überalterung seiner Gäste. Aus diesem Potential ließen sich keine oder zu wenige "Leitbilder für moderne Urlauber" entwickein.

Schuld sei aber auch der "Aktualitätsverlust in der Meinungsbildung". Zurückhaltende Berichterstattung in den Medien und die Konzentration auf traditionelle Urlaubsangebote erweckten falsche Vorstellungen beim angepeilten "modernen" Urlauber.

Das Leitbild des "soliden Bürgertums", das die wohlverdiente Erholung im Abschalten und in der Entspannung suche, sei passé. Jetzt suchten "mobile Interessengruppen" Anregungen. Besondere Freizeitofferten, attraktive Ferienhotels, Sport- und Spielangebote in freier Natur, die Entdeckung romantischer hessischer Städtchen, Mitmachen bei Folklore- und Volksfesten – das alles müsse die neue Werbebotschaft Hessens enthalten. Gefragt sei der moderne Freizeitspaß.

Dabei könne sich Hessen auf drei Merkmale verlassen, die nur für dieses Bundesland zutreffend seien: Hessen besitze mehr Wälder als alle anderen deutschen Urlaubsländer, biete eine größere kulturelle Vielfalt als der Rest Deutschlands und sei besser und schneller zu erreichen als Niedersachsen oder Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz.

Deswegen müsse die neue Produktbotschaft zusätzlich lauten: Hessen liegt zentral in Deutschland und ist deshalb ideal für Kurzurlaube, Weekends und Ausflüge. Jetzt noch auf die Karte des Langzeiturlaubs zu setzen, sei falsch.

Ferienland Hessen: Fort vom biederen Image

Begeistert zeigte sich vom neuen Urlaubskonzept Hessens Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr, Ulrich Steger. Er versprach, allen hessischen Gemeinden, Städten und Regionen bei der Umsetzung der Düsseldorfer Tourismuspläne zu helfen. "Das Land", so Steger, "will fördern, und wo klare Konzepte vorliegen, gibt es auch Geld."

Veit Burgenländer