"Eine demanzipierte Frau" von Fred Schepisi Dem Frieden traut sie nicht. Der Krieg, den Suzan Traherne als Widerstandskämpferin in Frankreich erlebte, war ein Abenteuer. Hier konnte sie für ihre Ideale kämpfen. Hier hat sie geliebt – und diesen Geliebten, einen britischen Geheimoffizier, niemals vergessen. Das Nachkriegs-England erscheint ihr schal und eng. Sie überschreitet die Klassenschranken, sucht sich in vielen Berufen zu verwirklichen. Suzan will viel ("Plenty", wie der Titel der Vorlage des von David Hare verfaßten Theaterstücks heißt) und findet – kompromißlos und nonkonformistisch – niemals Ruhe. Eine Paraderolle für Meryl Streep, die alle Register ihres Könnens ziehen darf. Sie ist exzentrisch, selbstbewußt, klug, hysterisch, leidenschaftlich. Zwanzig Jahre eines Frauenlebens umfaßt ihre Rolle, und Meryl Streep spielt die 18jährige Widerstandskämpferin ebenso selbstverständlich wie die 38jährige Diplomatengattin, die sich immer mehr in Exaltiertheiten verliert. Wenn sie auf einem Empfang für den britischen Botschafter zur Suezkrise einen flammenden Monolog hält, gestikuliert und formuliert sie wie in Trance.

Der australische Regisseur Fred Schepisi hat die Theatervorlage aus der Begrenztheit der Bühne befreit, sich um atmosphärisch dichte Schauplätze bemüht. Dennoch ist er dem Bühnencharakter mit Prolog, fünf Akten und Epilog gefolgt. Die Übergänge freilich sind so fließend, daß dem Zuschauer zuweilen für Sekunden oder Minuten Rätsel aufgegeben werden. Gerade stand Suzan Traherne noch in hell flatterndem Sommerkleid auf luftigen Höhen in Frankreich, da ist sie auch schon die elegante Lady in Schwarz, die beim Botschafter in Brüssel vorstellig wird. Obwohl Schepisi eine eher unsentimentale Zeit in Szene gesetzt hat, kommt er ohne melodramatische Zwischentöne nicht aus. Und die Musik tut ein übriges. Schepisi hat sich, wenn es um Gefühle geht, mit seiner "Demanzipierten Frau" von gewissen Klischees noch nicht emanzipiert. Anne Frederiksen

Sehenswerte Filme

"Chinatown Mafia" von Michael Cimino. "Ran" von Akira Kurosawa. "Die Zeit nach Mitternacht" von Martin Scorsese. "Vogelfrei" von Agnès Varda.