ZEIT: Acht Jahre Wirtschaftspolitik Birgit

Breuel: Die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen liegt über dem Bundesdurchschnitt, die Wirtschaftsleistung – also das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner – des Landes liegt unter dem Durchschnitt, die Konkurse darüber, die Einkommen darunter, Ostfriesland ist nach wie vor das Armenhaus der Bundesrepublik – ist das ein Erfolgsausweis?

Breuel: Ich habe den Eindruck, Sie sind da einigen Fehleinschätzungen erlegen. Seit einem Jahr ist Niedersachsen die Nummer eins von allen Bundesländern beim Abbau der Arbeitslosigkeit.

ZEIT: Ist ein Jahr schon ein Trend?

Breuel: Wenn ich das weiter sagen darf: In den Auftragseingängen liegen wir seit einem halben Jahr um dreihundert Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die mühselige Arbeit, die Infrastruktur aufzubauen, beginnt sich seit einem Jahr auszuzahlen. Beim Bruttoinlandsprodukt liegen wir in Norddeutschland über den anderen Ländern. Wir sind, was die Forschungsinvestitionen betrifft, mit an der Spitze aller Bundesländer. In Ostfriesland allerdings, das ist völlig unbestritten, gibt es nach wie vor eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Aber wir bauen dort jetzt die große Autobahn, und nachdem die Christdemokraten in Holland die Wahl gewonnen haben, werden wir auch den Dollart-Hafen bauen. Ohne Infrastruktur können Sie keine wirtschaftliche Entwicklung betreiben.

ZEIT: Nun gibt es in der Bundesrepublik kaum einen Politiker, der sich so beharrlich zu den Vorteilen der Marktwirtschaft geäußert hat wie Sie, und so heftig über den störenden Einfluß staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft geklagt hat. Ihre politische Praxis sieht allerdings anders aus. Auch während Ihrer Amtszeit hat Niedersachsen massiv in die Wirtschaft eingegriffen. Letzter Fall: Ihr Versuch, die Mobil-Oil-Raffinerie in Wilhelmshaven vor der endgültigen Stillegung zu retten. Wie vereinbaren Sie diese Eingriffe eigentlich mit Ihrem ordnungspolitischen Credo?

Breuel: Zugegeben, die Mobil-Raffinerie ist ein bewußter Sündenfall gewesen. Wir haben uns an einer Gesellschaft beteiligt, um damit die Chance zu haben, die Raffinerie wiederzubeleben. Wir sind übrigens inzwischen aus der Gesellschaft ausgetreten.