ZEIT: Aber Großprojekte wollen Sie, nach alldem was Sie sagen, abgesehen vom Dollart-Hafen, nicht mehr fördern?

Breuel: Ich seh’ nichts.

ZEIT: Hat Sie eigentlich das Gutachten von Dornier Systems nachdenklich gestimmt, das von weiteren Industrieansiedlungen im Unterelberaum und auch vom Bau von Autobahnen in der Region abrät?

Breuel: Dieses Gutachten ist schon bei seiner Veröffentlichung in vielen Teilen überholt gewesen. Wir müssen allerdings überlegen, wie weit es vertretbar ist, noch große Gewerbeflächen vorzuhalten und wie man diese vernünftig gestalten kann. Und da wird man in Zukunft sicherlich sehr behutsam vorgehen müssen.

ZEIT: Das Gutachten ist ja sogar der Meinung, daß der Unterelberaum zu stark industrialisiert ist und daß bei dem heutigen Industriebesatz die Elbe gar nicht mehr zu sanieren ist.

Breuel: Ich halte ein Gutachten, das sagt, die Belastung darf nicht verstärkt werden, und es muß in einigen Bereichen abgebaut werden, für vernünftig. Aber ich halte ein Gutachten, das sagt, es darf nicht mehr angesiedelt werden, für gefährlich, weil man gar nicht weiß, was in den nächsten Jahren an neuen umweltschonenden Entwicklungen kommt; auch Ansiedlungen ohne Umweltbelastungen müssen möglich sein.

ZEIT: Als Sie Ihr Amt übernommen haben, wollten Sie möglichst viel staatliche Wirtschaftstätigkeit reprivatisieren. Sie hatten sogar ein paar kuriose Ideen, zum Beispiel private Tunnel unter Elbe und Weser. Der private Wesertunnel ist wohl jetzt endgültig gestorben?