Breuel: Leider ja. Aber ich glaube nicht, daß der Plan kurios war. Ich kann Ihnen auch ein Gegenbeispiel sagen: Kläranlagen. In Niedersachsen müßten bis zum Jahr 2000 dafür etwa vier Milliarden Mark investiert werden. In Niedersachsen ist vor einem halben Jahr die erste Kläranlage für die Abwässer einer Gemeinde in Betrieb genommen worden, die privat geplant, privat gebaut, privat finanziert und privat betrieben wird. Und deren Gebühren um zwanzig Prozent unter denen liegen, die ein öffentlicher Betrieb gefordert hätte.

ZEIT: Frau Breuel, Sie haben Ihr Programm einmal in fünf Punkten zusammengefaßt: gegen das Subventionsunwesen, für die Privatisierung staatlicher Leistung, Einschränkung des Fernmeldemonopols, Aufhebung des Gebietsmonopols der Elektrizitätswirtschaft, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand. Welche Bilanz ziehen Sie heute?

Breuel: Das ist sicherlich nicht das Programm für Niedersachsen gewesen, aber es sind Schwerpunkte gewesen, denen wir uns auch gewidmet haben. Bei den Subventionen haben wir zu wenig erreicht, bei der Privatisierung etwas mehr. Beim Fermeldemonopol wird sich durch eine jetzt eingesetzte Kommission einiges klären. Bis jetzt ist allerdings wenig erreicht worden. Hinsichtlich der Elektrizitätswirtschaft ist fast nichts erreicht worden. Die Vermögensbildung läuft. Das ist der einzige Bereich, der voll durchgezogen worden ist.

ZEIT: Ist das eine gute Bilanz nach acht Jahren?

Breuel: Ja, wenn Sie es vergleichen mit dem, was andere Länder erreicht haben. Wenn Sie es vergleichen mit den Zielen, die ich mir gesetzt habe, waren die Ziele sehr groß und die Ergebnisse begrenzt.

ZEIT: Das heißt, Sie werden sich jetzt kleinere Ziele setzen.

Breuel: Nein. Ich glaube, nur wenn Sie sich anspruchsvolle Ziele setzen, werden Sie überhaupt einen Schritt nach vorne kommen. Und da behaupte ich nach wie vor, daß wir relativ gut abschneiden.