Was dem Schotten der Dudelsack und dem Schweizer das Alphorn, das ist dem Iren die Harfe. Die irische Harfe, deren Klänge bereits in vorchristlicher Zeit auf der grünen Insel zu hören waren, wurde im 17. Jahrhundert zum irischen Wappenzeichen erhoben, und noch heute flattert nicht selten neben der nüchternen Fahne der Republik die goldene Harfe auf blauem Grund.

Die Harfe steht auch im Zentrum der in diesem Frühling (nach fünfzehnjähriger Restaurationszeit) wiedereröffneten Musikinstrumente-Ausstellung des Irischen Nationalmuseums in Dublin. In dem für seine keltischen Kostbarkeiten weltberühmten Museum, dessen mit Vitrinen und Touristengruppen gleichermaßen überfüllter Hauptsaal den Kulturbeflissenen oft auf eine harte Probe stellt, ist der großzügige, übersichtliche Musikraum im ersten Stock eine willkommene Erholung für den Besucher:

Hier dreht sich alles um die Harfe. Die traditionellen irischen Harfen sind im Vergleich etwa zu heutigen Konzertharfen von ausgesprochen handlichem Format, wohl weil die fahrenden Sänger sie von Hof zu Hof tragen mußten. Neben den in Vitrinen ausgestellten Saiten- und Blasinstrumenten, deren manierierte Formen und Verzierungen oft gewisse Zweifel an der Gebrauchsfähigkeit aufkommen lassen, bestechen die einfachen, aus Weidenholz gebauten Harfen vor allem durch ihre Schlichtheit. Nur einige sind mit ornamentalen Schnitzereien verziert, und ab und zu findet sich ein stilisierter Tierkopf, ein Familienwappen oder der Name des Besitzers. Die Messingsaiten der Harfe wurden mit den Fingernägeln gezupft, das alte keltische Brehon-Recht enthielt ein Gesetz, das dem Harfenspieler, der einen Fingernagel verlor, eine Kompensation – im Sinne einer Erwerbsausfall-Entschädigung – gewährte.

Doch nicht jede Harfe bedarf eines Musikanten: Die Ausstellung enthält in einer Seitenvitrine auch einige Aeolsharfen, auf deren Saiten der Windgott höchstpersönlich spielt.

Neben dieser einmaligen Harfenkollektion gibt es auch eine Sammlung von Uilleann (Ellbogen-)Pipes, der irischen Version des Dudelsackes.

Gabrielle Alioth