Massud Radschawi, prominenter Führer des Widerstands gegen das Chomeini-Regime, verließ sein französisches Exil. Seine Volks-Mudschaheddin wollen vom Irak aus ihren Kampf fortsetzen.

Wer Politik macht wie Massud Radschawi, der hat nur Siege zu verkünden, so schlimm die erlittene Niederlage auch sein mag. Daß die Zentrale der Volks-Mudschaheddin von Frankreich in Persiens Nachbar- und Feindesland Irak verlegt wird, entspreche dem Willen, "einerseits die Verschwörungen des Chomeini-Regimes zu neutralisieren, andererseits auf die Notwendigkeiten der neuen Phase des Widerstandes zu reagieren". Diese neue Phase sei vielversprechend: "Der Sturz des Chomeini-Regimes wird eine realistische und unvermeidliche Perspektive"; dies wiederum erfordere "die Steigerung der militärischen Macht des Widerstandes bis zum Maximum". Vom "nahen Ende der blutigen Diktatur" sprach der großmäulige Radschawi freilich schon zu Beginn seines Exils in Frankreich – im Sommer 1981.

In Wirklichkeit haben Radschawi und seine Gefährten Frankreich verlassen, weil der französische Staat sie vor die Tür setzte. Chomeini, der selbst vom französischen Exil aus den Sturz des Schahs vorbereitet hatte, konnte seinem Asylland nie verzeihen, daß es seit der Revolution im Iran wiederum zum wichtigsten Land der persischen politischen Opposition wurde. Um die von Chomeini-Anhängern im Libanon entführten Franzosen zu befreien, versuchte die Regierung in Paris seit Monaten, Teheran zu besänftigen.

Radschawi stand schließlich vor der Wahl, politisch zu verstummen oder Frankreich zu verlassen. Das Reiseziel Bagdad wählte er notgedrungen: Andere Staaten, die er als Exilquartiere vorgezogen hätte, winkten ab.

Die Propagandisten der Volks-Mudschaheddin werden freilich weiter von Erfolgen berichten. Die Gruppe, die einer unklaren islamisch-sozialistischen Ideologie folgt, galt lange als einzige Oppositionsbewegung mit einem Massenanhang im Iran der Mullahs. Trotzdem geben die meisten iranischen Emigranten heute wenig auf die Volks-Mudschaheddin: Der Führerkult um Massud Radschawi stieß intellektuelle Chomeini-Gegner stets ab; als Radschawi in Paris seine dritte Ehe mit einer Kampfgenossin einging, die sich unmittelbar zuvor von einem Politbüro-Mitglied der Organisation scheiden ließ, als Mussawi dann seine neue Ehefrau zur "gleichberechtigten Führerin" der Widerstandsbewegung ausrief und seine Heirat als revolutionäres Ereignis feierte, verließen unabhängige Oppositionelle Mussawis Lager – allen voran der frühere Präsident Bani-Sadr, dessen Tochter Mussawis zweite Frau gewesen war.

Mussawis Leute werfen dem ehemaligen Schwiegervater ihres Anführers seitdem vor, er strebe heimlich eine Versöhnung mit dem Teheraner Regime an: Emigrantengezänk, das den Widerstand gegen eine terroristische Diktatur lähmte.

Ob Frankreich durch die "freiwillige" Ausreise Mussawis die Gunst der Teheraner Regierung gewinnt, steht noch keineswegs fest. Immer noch ist Frankreich wichtigster Waffenlieferant des Irak – und damit das auch so bleibt, reiste der irakische Außenminister Tariq Aziz überraschend nach Paris – zwei Tage nach der Abreise des persischen Exilpolitikers. HJG