Bonn: "Gotthard Graubner – Zeichnung/Aquarell"

"Und die Leute, mit denen der Maler verkehrt, seien ihm verwandt in diesen Bestrebungen, und falls er solche nicht findet, verkehre er mit sich selber in seinen Betrachtungen, denn schließlich wird er keine nützlichere Gesellschaft finden." Leonardo da Vincis Empfehlung aus den "Philosophischen Tagebüchern" gehörte zu den Notizen und Lesefrüchten, die Gotthard Graubner 1975/76 im Katalog seiner Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle zitierte. Zehn Jahre später fand der Maler in Katharina Schmidt, der Direktorin des Städtischen Kunstmuseums Bonn, nicht nur eine "Verwandte", die aus mehr als tausend Arbeiten eine Auswahl von 180 Aquarellen und Zeichnungen traf und damit dem Betrachter zu einer frischen, ja erfrischenden Sicht auf Graubners "Bestrebungen" verhalf. Der Künstler selbst demonstriert mit dieser Schau seine Experimentierfreudigkeit, seine Neugierde auf Malmaterialien, seine Kraft und seine Zartheit im Umgang mit Farbe und papierenen Gründen. Auseinandersetzungen mit Zeichen und Strukturen werden über Jahrzehnte hin deutlich, nicht zuletzt auch eine fortwährende Beschäftigung mit dem Gegenstand, die sich in Graubners Malerei stets zu abstrakten Farbräumen verdichtete.

Die Ausstellung, Blätter aus rund 40 Jahren, läßt sich schwerlich durchwandern wie eine große Bilderschau, wo Höhepunkte auszumachen und Einbrüche festzustellen sind. Diese Versammlung von Atelierblättern kehrt vielmehr einen inneren Monolog nach außen, dessen fließende Bewegung denen der Arbeiten ähnlich ist. Nicht die einzelne Zeichnung, nicht das farbig aufblühende Aquarell, sind für Graubners Schaffen entscheidend. Es ist vielmehr die Summe solcher Erfahrungen, die Fülle, in der sich das an Nuancen so reiche Werk auf Papier hier darbietet. Graubners "Betrachtungen" im Atelier kennen Varianten und Wiederholung, Wiederaufnahmen und Steigerungen einer künstlerischen Methode zwischen Experiment und meditativer Versenkung. Es öffnet sich ein Werk, das man bereits zu kennen glaubte. (Kunstmuseum bis zum 29. Juni, Katalog 30 Mark) Ursula Bode