Von Regensburg nach Pegnitz führt eine Straße, die von Industriedenkmälern und Schlössern gesäumt ist

Von Esther Knorr-Anders

Fraglos ist es die seltsamste Straße Ostbayerns. Auf 120 Kilometern Länge erstreckt sie sich von Regensburg bis Pegnitz. Sie verläuft entlang des Ostrandes der Frankenalb, ist von Wäldern umzingelt, wird von Flüssen ummurmelt. Die Straße ist Montan-Geschichte schlechthin, und sie läßt den Gast an ihrer uralten Historie Anteil haben. Längs ihres Weges reihen sich Industriebauten, die als erhaltungswürdige Kulturdenkmäler erkannt wurden. Schlösser und Burgen säumen die Straße selbstverständlich auch. Da aber die Geschichte der Menschheit sich nicht ausschließlich in Schlössern abspielte, hoben die Bayern das Projekt "Bayerische Eisenstraße" aus der Taufe. Von Bergwäldern verborgene Schachtanlagen, an Flüssen erbaute Hammerwerke, Gewerkenhäuser, Arbeitersiedlungen und die Schlösser der Hammerherren – das alles zeigt sich dem erforschungswilligen Gast, der dieser eigenartigen Straße folgt. Sie soll bald durchgängig mit einem Symbolzeichen versehen sein, das auf die jeweilige Sehenswürdigkeit hinweist. In Erwägung gezogen werden, unter anderem drei züngelnde Flammen, Symbol des mittelalterlichen Eisenwesens. 1987 wird auch ein Industriedenkmal-Führer herausgegeben.

In Ostbayern wurde schon in grauer Vorzeit Erzabbau betrieben. Für die Nasen der im 6. Jahrhundert eingewanderten Bajuwaren muß es in den Wäldern weniger nach Pilzen als vielmehr nach Eisen gerochen haben. Für ihren Entschluß, seßhaft zu werden, mag die Überlegung beigetragen haben, daß man entlang der Flüsse Vils und Naab zwar an allem möglichen, keinesfalls aber an Eisenmangel zu leiden hätte. Sie irrten nicht. Doch erst im 13. Jahrhundert, als die Wasserkraft der Flüsse genutzt wurde, um Blasebälge und mächtige Hämmer für die Eisenhütten anzutreiben, begann der Aufstieg dieser bayerischen Region zu einem mitteleuropäischen Zentrum der Eisenindustrie.

Dies frühe Wirtschaftswunder konnte nicht ewiges Wirtschaftswunder bleiben. Das lag einerseits an den Zeitläufen, andererseits an den mit Eisen umgehenden Menschen. Der Dreißigjährige Krieg und wirtschaftliches Fehlverhalten trugen zum Niedergang bei. Das Eisen erzeugte eben nicht nur Wohlstand, es erzeugte auch Tränen. Darüber hinaus erzeugte es Sagen. Unvergessen bleibt die von den drei verschütteten Bergleuten. Bei dem Versuch, einen Ausgang zu finden, flehte der eine die Berggeister an, wenigstens ein Jahr noch für seine Familie sorgen zu dürfen. Der andere wünschte sich, eine einzige Mahlzeit mit seiner jungen Frau einnehmen zu können. Der Jüngste im Schicksalsbunde begehrte die Sonne zu sehen, und sei es nur für Sekunden. Die Bergleute gelangten zum Ausgang – und ihre Wünsche fanden Erfüllung.

Wer die Eisenstraßenfahrt in Regensburg beginnt, wird am Kai "Unterer Wöhrd" ein auffälliges Schiff auf dem Donauwasser schaukeln sehen. Es ist der Raddampfer "Ruthof", der den Beinamen "Érsekcsanád" führt. Das Schiff ist ein Spezialmuseum für die Geschichte der Donauschiffahrt. Dem auf Hochglanz restaurierten Dampfer sieht man nicht an, daß er zwölf Jahre auf dem Grund der Donau ruhte. Im Kriegsjahr 1944 war das Schiff bei Ersekcsanäd auf eine Mine gelaufen. Nach seinem langen Unterwasserdasein wurde es endlich gehoben und mit dem ungarischen Ortsnamen im Magyarenland in Dienst gestellt. 1979 gelang es, diesen letzten bayerischen Donauraddampfer zurückzuerwerben. Im Museumsschiff klettert der Besucher auch im Unterdeck, in Kessel- und Maschinenräumen umher. Seltene Schiffsmodelle, Holzflöße und Darstellungen der Arbeit der Schiffer sind zu betrachten. Regensburg war Eisenumschlagplatz seit frühester Zeit. Die Schiffe, die über den Wasserweg Eisenstraße, nämlich über Vils und Naab, in Geleitzügen herunterkamen, legten oberhalb der Steinernen Brücke bei der "Eisenlände" an. Hier beginnt die Eisenstraße.

Künstlerkolonie Kallmünz