Fremdenverkehr ist für den Mittelmeerstaat Malta zur wachstumsstärksten Industrie geworden. Die Inselrepublik will Millionen in Badestrände, Sportanlagen und Hotelprojekte investieren. Bevorzugt umworben: der deutsche Gast.

Wir setzen auf Qualität, nicht auf Massentourismus", versicherte der maltesische Tourismus-Minister Josef Grima dieser Tage. Obschon von den klimatischen Bedingungen vergleichbar, will Malta keine Konkurrenz für Mallorca werden. Die Insel verzichtet auf Hochhäuser und hochfliegende Pläne. "Eine Million Besucher im Jahr – darunter 120 000 bis 150 000 Deutsche –, das ist für Malta das Maximum. Bis 1990 werden wir diese Zahlen voraussichtlich erreicht haben", meint Grima.

Das zweieinhalb Flugstunden entfernte Ferienziel wird in diesem Sommer in den Katalogen von knapp vierzig deutschen Reiseveranstaltern angeboten: nicht als typische Badeferien-Insel – das Meer umspült überwiegend unzugängliche Felsküsten sondern als "Entdecker- und Erlebnis-Insel" mit vielfältigen Sport- und Wassersportmöglichkeiten wie mit Kulturzeugnissen aus sechs Jahrtausenden wechselvoller Geschichte. Von Megalith-Kultstätten bis zu den Festungsbauten der Johanniter, von phönizischen Einflüssen bis zur britischen Kolonie – der 316 Quadratkilometer kleine Staat und seine 320 000 Einwohner sind geprägt von den kontrastierenden Kulturen der Eroberer.

Von 1983 bis 1985 hat sich die Besucherzahl aus der Bundesrepublik auf 57 000 verdoppelt. Zur Zeit gibt es wöchentlich 13 Linien- und Charterflugverbindungen zwischen Malta und fünf deutschen Flughäfen. Wegen steigender Nachfrage haben Lufthansa und Air Malta ihr Sitzplatzangebot jetzt um 30 Prozent erweitert. Obgleich die Schwächung des englischen Pfundes ohnehin weniger der einst dominierenden britischen Besucher brachte, hat Malta Mühe, sich vom Image einer britischen Ferienkolonie zu befreien. Bevorzugtes Ziel der Werbe-Anstrengungen ist der reise- und ausgabefreudige deutsche Tourist.

Mit umgerechnet gut 60 Millionen Mark unterstützt die Regierung Privatinitiativen zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur. So sollen die acht Badestrände durch neue Sandküstenstreifen entlastet werde. An felsigen Gestaden werden heizbare Schwimmbäder und Zugänge zum Meer geschaffen; die Arbeiten sollen Ende dieser Saison beginnen. Barbara Lehnig