Manfred Meier-Preschany, Ex-Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, ist auch als Berater der Neuen Heimat immer für eine Überraschung gut. Jetzt sorgt er mit seinem Vorschlag, die Banken sollten dem angeschlagenen Gewerkschaftskonzern mit einem Zinsverzicht von drei Prozentpunkten für zehn Jahre unter die Arme greifen, für helle Aufregung in den Vorstandsetagen der betroffenen Kreditinstitute.

Für manche Bank wäre ein solcher Zinsverzicht nämlich ein herber Schlag in die Ertragsrechnung. Die Deutsche Pfandbriefanstalt zum Beispiel, mit vermutlich über einer Milliarde Mark einer der größten Gläubiger der Neuen Heimat, würde Meier-Preschanys Forderung weit mehr als dreißig Millionen Mark im Jahr kosten. Diese Summe überstiege sogar den für 1985 ausgewiesenen Bilanzgewinn von knapp 25 Millionen Mark des mehrheitlich dem Bund gehörenden Instituts. Mit Interesse werden Banken und Gewerkschaften wohl auch verfolgen, ob Gerhard Stoltenberg, dessen Ministerium die Oberaufsicht über die Pfandbriefanstalt ausübt, bei diesem Spiel mitmacht. Der Zinsverzicht könnte nämlich dazu führen, daß die Gewinnausschüttung für den Bund in den kommenden Jahren merklich geringer ausfällt. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wird Stoltenberg immerhin rund zehn Millionen Mark zur Aufbesserung der Finanzkasse von der Pfandbriefanstalt erhalten.

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Der Hoffnungsträger der Industrie, die Computerbranche, hat seine besten Zeiten noch vor sich. Das zeigt die Befragung des Münchner Forschungsinstituts Infratest in 5000 Betrieben. Von einem massiven Aufbruch in die Büroautomation kann nämlich bisher noch nicht die Rede sein.

Obwohl Unternehmen wie Nixdorf oder Olivetti schon heute Umsatzzuwächse von dreißig Prozent vermelden – der Computerriese IBM liegt mit fünfzehn Prozent eher an der unteren Grenze –, ging es bei den potentiellen Anwendern neuer Bürotechnik eher langsam voran. Ihre Umsätze machen die Hersteller derzeit hauptsächlich mit großen Betrieben.

Immerhin kommen auch heute noch nahezu siebzig Prozent aller 2,1 Millionen Betriebe in der Bundesrepublik nur mit dem Telephon und einfachen Schreibmaschinen aus. Ein Drittel hat dazu noch Kopierer und nur knapp zehn Prozent nutzen Mikrocomputer oder solche Dienste der Bundespost, wie beispielsweise Telefax. Etwa vierzehn Millionen Menschen arbeiten derzeit in bundesdeutschen Büros, ein enormes Absatzpotential meinen die Marktforscher in München.

Auch die Rechercheure der Frankfurter International Data Corp. (IDC) prophezeien für ganz Westeuropa bis 1991 ein Wachstum von sechzehn Prozent jährlich bei den Ausgaben für die elektronische Datenverarbeitung. Die Produzenten von Computerprogrammen sollen nach deren Schätzungen davon am meisten profitieren; bei den Kosten für ihr Fachpersonal wollen die Betriebe hingegen eher sparen.