Von Haug von Kuenheim

Hamburg

Noch haben die Niedersachsen nicht gewählt, da zählt Ingo von Münch, Hamburgs erster Liberaler schon die Tage bis zur Bürgerschaftswahl am 9. November. Ein gutes Jahr nun steht der Professor für Staatsrecht und Völkerrecht an der Spitze der Hamburger FDP, die seit acht Jahren das Rathaus nicht mehr von innen gesehen hat. Nach der spektakulären Niederlage im Juni 1978 floh ihr Spitzenmann, der Mathematikprofessor Dieter Biallas, in den afrikanischen Busch und kehrt nur noch gelegentlich heim, wie dieser Tage, um seinen 50. Geburtstag bei Paolino, einem stadtbekannten Italiener, zu feiern.

In den acht Jahren ihrer unfreiwilligen politischen Abstinenz gelang den Liberalen im angeblich so liberalen Hamburg so gut wie nichts. Sie hatten den Anschluß verpaßt. Die Bonner Wende bezahlten sie mit einem kräftigen Aderlaß: Hunderte verließen die Partei, sie schrumpfte auf 1200 Mitglieder zusammen (heutiger Stand 1460). Bei der Bürgerschaftswahl vor vier Jahren kam sie auf 2,6 Prozent der Stimmen und bei der Bundestagswahl drei Monate später, im März 1983, fehlten ihr ganze 22 Stimmen, um einen Abgeordneten nach Bonn zu schicken. Parteiinterne Querelen und ein Gerangel um Pöstchen waren an der Tagesordnung. Die Liberalen kamen nicht mehr in die Schlagzeilen der lokalen Presse.