Der Traditionsbank in Bayern hängt seit Monaten eine Affäre an

Von Hermann Bößenecker

Auch die Aktionäre zeigten sich verärgert: „Zwischen die freundlichen Sommersprossen dieses guten Abschlusses“, so monierte in der jüngsten Hauptversammlung der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München ein Aktionärssprecher, „hat sich ein Leberfleck eingeschlichen, der das Zeichen FI trägt.“

Der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Gerhart Mundt, spielte damit auf eine Affäre an, die der Bank trotz aller Beschwichtigung und trotz ausführlicher Stellungnahmen seit Monaten anhängt. Der Hypobank wird vorgeworfen, sie habe durch die nachdrückliche Empfehlung eines bestimmten Beratungsunternehmens, nämlich der FI Frankfurter Institut für Management GmbH, eine Reihe von Kreditkunden – statt sie zu retten – ins Unglück gestürzt, wobei die Berater aus den maroden Unternehmen noch horrende Millionenhonorare herausgeholt hätten.

Dem Kleinaktionär Werner Schröder, der sich ebenfalls in der Hauptversammlung zu Wort meldete, erscheint es unverständlich, daß die Bank einige ihrer Kunden „in die Klauen des FI gegeben“ habe, das „offenbar nichts anderes zu tun gehabt hat, als sich die Taschen zu füllen“.

Der Zusammenbruch des vom FI beratenen Münchner Druckhauses Karl Thiemig hatte dem Fall zur bundesweiten Publizität verholfen. Die – ihrer Auffassung nach – durchs FI Geschädigten, vor allem der 1983 mit seiner Bekleidungsfirma Ralph Modelle in Konkurs gegangene Münchner Bekleidungsunternehmen Ralph Louisoder, sorgen nun nach Kräften dafür, daß die Affäre zum Dauerbrenner wird.

Hypo-Vorstandssprecher Wilhelm Arendts verwahrt sich indes gegen die Behauptung, seine Bank habe den Kreditkunden ein bestimmtes Beratungs-Institut, das FI, „aufgezwungen“ und sei daher für die Folgen mitverantwortlich. Vielmehr habe bei Thiemig und Ralph ebenso wie in anderen Fällen, die viel Aufsehen erregten, die Hypo nur darauf gedrungen, daß externe Berater eingeschaltet werden. In deren Auswahl seien die Unternehmen aber frei gewesen.