Seit Jahrzehnten verseuchen elsässische Kaliminen mit ihren Salzabwässern den Rhein; seit mehr als zwanzig Jahren nahm die französische Regierung ungerührt Beschwerden darüber entgegen – bis sie endlich nach langem Drängen in einem Abkommen versprach, die Salzfracht stufenweise zu reduzieren.

Natürlich gibt es längst Methoden, dieses Salz umweltfreundlich zu beseitigen. Doch Paris stellt sich stur: Die Rheinanliegerstaaten überwiesen zwar vor drei Jahren dreißig Millionen Mark nach Paris, damit Frankreich den lästigen Abraum – wie in der Bundesrepublik – in den unteren Bodenschichten vergraben läßt. Die französische Regierung aber verkündete jetzt kühn – Abkommen hin, Umweltbewußtsein her: Man wolle das Salz weiter in der Rhein pumpen, ein Vergraben sei nicht opportun.

Den wahren Grund zu nennen, war inopportun: Bürgerinitiativen liefen Sturm gegen diese Pläne. Auch die Aufbereitung solcher Abfälle zu Koch- und Streusalz – so protestieren die französischen Produzenten – komme nicht in Frage: Das würde die Salzpreise verderben. Und außerdem weiß jeder, daß die staatlichen elsässischen Kaliminen mit Verlust arbeiten; sie sind nur an der billigsten "Entsorgung" interessiert. Das Abfallsalz wieder in die Mine hinunterzubefördern und die Hohlräume aufzufüllen, ist ihnen zu kostspielig.

Jetzt läuft alles so weiter wie bisher. Die Sorgen etwa der Holländer um ihr Trinkwasser und die Bewässerung ihrer Felder kümmern in Paris niemanden. Die Rücksichtslosigkeit ist kaum noch zu überbieten – kein gutes Omen für Europa, iml