Was verdanken wir nicht alles der Katastrophe von Tschernobyl! Wir, die wir uns schon seit geraumer Zeit sorgten, wo denn das Lachen auf dem Gesicht unseres Kanzlers geblieben sei, das so lange seine Freude am schieren Kanzler-Dasein ausdrückte, können uns beruhigen.

Am Dienstag letzter Woche auf der Bundespressekonferenz lachte er wieder, ja freute sich geradezu diebisch über sich selber, seinen "Coup" und die schöne Bescherung: Mitten hinein ins geopolitische Dreieck Hannover-Bonn-Tschernobyl setzte er uns nicht nur einen dringend erforderlichen Minister zur Versöhnung der Natur und der Menschen mit dem Reaktor, der die Strahlen bündeln und unsere Köpfe entsorgen wird von Bequerel und rem, rad und Jod. Nein, er schenkte uns auch ein Frauenministerium.

Nach dem Super-GAU ein Super-Ministerium, es darf sich Ministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit nennen. Soviel steht fest: Kein anderes Haus hat einen so langen Namen. Es soll auch Posten, Kompetenzen, hier noch eine Abteilung, da noch ein paar Referate erhalten. Was denn, wen denn, wann denn? Man weiß es noch nicht. Wichtig war erst mal die Botschaft.

Welche? Frauen, wählt uns, wir haben es verdient! Das rufen uns natürlich auch andere zu und mühen sich um unsere Stimme. Frauenministerinnen, Frauenbeauftragte, Staatssekretärinnen für Frauenfragen, Schattenkabinettsministerinnen, Gleichstellungsstellen-Stelleninhaberinnen, freche Frauen, grüne Frauen, linke Frauen, rechte Frauen, große, kleine, junge, alte, Seitenein- und Aufsteigerinnen, Mackerfrauen – ein Angebot wie im Supermarkt. Wo sollen wir zugreifen?

Da kann nur ein Mann helfen. "Dinge aussitzen tut nur ein Trottel, niemand ist entscheidungsfreudiger als ich", sagt Helmut Kohl und bietet besagtes Ministerium feil. Es wird in seinen Kreisen ein "historisches Ereignis" genannt.

Die Frauen als Profiteure der Katastrophe? Eine böse Logik. Schließlich sind sie es, die sich die ärgsten Sorgen um ihre ungeborenen und geborenen Kinder machen, die es nicht überzeugt, was Polit-, Atom- und Strahlenexperten behaupten: Unsere Gesundheit, unsere Zukunft war, ist und wird nicht gefährdet sein.

Und bei allem Respekt vor der Klugheit, dem frauenpolitischen Engagement der Gesundheitsministerin Rita Süssmuth: Viele enttäuschte, daß sie eben diese Botschaft aussandte. Denn damit gab sie ihre so wohltuende Rolle als Bonner Anti-Figur mit Wissen und Gespür für das, was jenseits der "kopflosen und interessenlastigen" Regierungszentrale (Rita Süssmuth) passiert, auf. Genützt hat ihr das wohl nur in der eigenen Fraktion. Einen solchen Verlust an Glaubwürdigkeit wird die in der Partei so umstrittene wie in der Öffentlichkeit beliebte Ministerin nun wohl nicht mehr erleiden müssen. Die irrlichternden Grenzwerte und wie wir sie zu verstehen haben – den Part wird der neue Umweltminister übernehmen. Dazu darf sie schweigen.