Eigentlich ist die Arbeit nicht sehr anstrengend; Idealismus gehört dazu. Man muß körperlich nicht viel tun, aber nach Feierabend: lesen, lesen, lesen.

Die Auswahl ist enorm schwer, bei 90 000 Neuerscheinungen im Jahr. Ganz durchlesen ist kaum noch drin. Vom anfangen, immer mal ein paar Seiten überschlagen, der grobe Faden kommt aus dem Klappentext. Konsalik brauch’ ich nicht zu lesen, den kennen die Kunden ja.

Wir schauen, wofür so geworben wird, von den Verlagen, in den großen Zeitungen. Das ist dann auch im Gespräch bei der Kundschaft. Böll und Grass laufen immer gut, Surminski bei uns auch. Kurgäste interessieren sich viel für Heimatliteratur, Schiffahrt und Nordsee, das sind hier so die Renner. Ein gutes Buch ist ein Buch, das sich gut verkauft – an dem Satz ist schon etwas dran. Ein Buch kann noch so schön sein, wenn es nicht unter die Leute kommt, ist es nicht viel wert.

Wichtig für das Buchhändlerische ist die Stapelware, das sind also die Titel, die in Partien zu mindestens fünf Büchern angekauft werden. Die Buchlaufkarten hinten im Buch werden an der Kasse gesammelt. Am nächsten Morgen gehe ich herum, und dann sehe ich ja: wie hat sich das Buch verkauft? In drei Monaten fünf Stück ist schon ganz ordentlich.

Es kommen ganz unterschiedliche Leute. Auch welche, die Sollen keine Bücher, die wollen Servietten oder Klopapier. Die denken sich halt, Bücher werden aus Papier gemacht, also rein in den Laden, wo viel Papier rumsteht. Wir verweisen die dann an die Fachgeschäfte weiter.

Wenn ein Kunde unzufrieden mit einem Buch ist, nehmen wir das auch zurück. Glaubwürdig ist der natürlich nur, wenn er das Buch nicht ganz durchgelesen hat. Das sehe ich gleich. Ich stelle den Titel hin, und dann sehe ich, da, wo es mehr aufklappt, da hat er gelesen. Die Seiten liegen dann einfach anders. Wir schweißen alle Bücher wieder zu, die Kunden möchten natürlich "neue" Ware. Es gibt sogar welche, die lassen sich ein Taschenbuch neu bestellen, weil das aus dem Regal ja schon jemand in der Hand gehabt hat.

Es gibt zu fast jedem Thema ein Buch, Ausnahme ist, glaube ich, nur der Regenschirm, da ist noch nichts auf dem Markt. Ansonsten jedes Gebiet, jeden Autor, ich bestelle alles. Das gewünschte Werk ist in einem Tag da, so schnell ist sonst nur noch die Apotheke.