Von Stefan M. Gergely

Für Reporter sei er nicht zu sprechen, läßt der Furnierholz-Fabrikant Robert Schindele aus Gansbach-Kicking in der Wachau ausrichten. Sie hätten so viel Falsches über ihn und sein Wundermittel, das Gesteinsmehl "Superbiomin", berichtet, daß er mit den Medien nichts mehr zu tun haben wolle.

Die Abwehrhaltung wäre am ehesten verständlich, wenn die Journalisten harte Kritik geübt, Schindele und Superbiomin gar verteufelt hätten. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: "Nach der Gesteinskur um dreißig Jahre jünger", berichtete die Welt, "Sturm aufs Wunderpulver", meldete die Wiener Tageszeitung Kurier, "Steine essen ist gesund", verhieß die Bunte.

Der Medienrummel um ein Produkt aus seinem Steinbruch hat Schindele steinreich gemacht. Ausgelöst worden war der Rummel durch einen Bericht in der Sendung "Wir" des Österreichischen Fernsehens. Man werde die Wirkung von Superbiomin, wurde in dem Beitrag verkündet, mit "zehn Freiwilligen öffentlich erproben". Vor dieser Sendung war das Gesteinspulver für bloß zwei Schilling pro Kilo zu haben; jetzt kostet es mit 30 Schilling pro Kilo fünfzehnmal soviel. Würde Schindele seinen Steinbruch um diesen Kilopreis vermarkten können, wäre er Multimillionär – immerhin sitzt der dank seines Furniergeschäfts ohnehin wohlhabende Österreicher auf einigen Millionen Tonnen des angeblich so wundersamen Migmatit-Amphibolit-Gesteins. Den zusätzlichen Reichtum hätte er dann in erster Linie den Medienberichten zu danken. Sie bewirkten, daß derzeit jeden Tag Hunderte Bestellungen aus aller Welt die Gesteinsmühle Schindeles in lukrativem Gang halten.

Die Angaben über die Wirksamkeit von Superbiomin sind von den Journalisten keineswegs frei erfunden. "Superbiomin – das derzeit weitbeste Mineralsteinmehl", steht in grünen Lettern auf den papierenen 2-Kilogramm-Säcken gedruckt, die Schindele im Detailverkauf feilbietet. Das feinstvermahlene Gestein sei "auch zum Einnehmen bei chronischen Krankheiten" geeignet (eine Behauptung, die nach dem österreichischen Lebensmittelgesetz nicht ohne weiteres zulässig sein dürfte – im Gesundheitsministerium wird an die Beschlagnahme gedacht).

Das Produkt enthält, ergab die chemische Analyse, in erster Linie Kieselsäure, Aluminiumoxid und Kaliumoxid, ferner Kalzium, Eisen, Magnesium sowie Spurenelemente wie Kupfer, Molybdän und Bor. Schindele soll es zuerst im Selbstversuch erprobt haben: Sein Cholesterinspiegel und seine Blutzuckerwerte hätten sich, so wird berichtet, wieder eingependelt. "Nach drei Tagen bekam sein schlohweißes Haar eine dunkle Strähne", schreibt das Magazin Samstag. Männern solle es sogar bei Potenzproblemen helfen.

Worauf diese Wirkungen beruhen, ist unbekannt. Klinische Erprobungen des Superbiomin sind bislang jedenfalls keine veröffentlicht worden. Vom Standpunkt der Ernährungslehre wäre es zumindest erstaunlich, wenn sich Superbiomin im wissenschaftlichen Test als Elixier entpuppte. Ob bzw. wieviel von dem Gesteinsmehl durch Magen und Darm resorbiert wird, läßt sich ohne Messungen nicht feststellen. Das rohe Gestein ist jedenfalls in Säuren und Laugen kaum löslich. Das Superbiomin dürfte deshalb zum allergrößten Teil den Verdauungstrakt unverändert passieren. Durch die Vermahlung zu einem hochfeinen Pulver wird allerdings die Oberfläche enorm vergrößert; ein Teil des Gesteinsmehls könnte dabei unter physiologischen Bedingungen in Dispersion, also in kolloidale Lösung, gehen. Dieser Effekt könnte dann die Verdauung beeinflussen. Siliziumdioxid (eine Bezeichnung für wasserfreie Kieselsäure) wird immerhin zuweilen gegen Durchfall empfohlen. "Es ist nicht erwiesen", steht allerdings in dem Buch "Bittere Pillen", "ob Siliziumdioxid den Durchfall wirklich abkürzt oder lindert."