Diesmal beschränkte sich die Kontrolle auf jenes eine Mal, das wir bei den meisten Reisen innerhalb Europas und bei jeder Reise nach Amerika in Kauf zu nehmen gewöhnt sind.

Einige von uns sind von Hamburg nach Tegel geflogen. Dort wartete eine Limousine der Interhotels, die uns in weniger als einer Stunde vom Flughafen Tegel zum Ostberliner Palasthotel brachte. Die eine Kontrolle fand an der Staatsgrenze statt. Sie dauerte, da wir, privilegiert, aus einer langen Autoschlange nach vorne gelotst wurden, nur wenige Minuten.

So etwas wie das Palasthotel gab es damals auch noch nicht. Unter den 32 "Interhotels der DDR", die in erster Linie Gästen offenstehen, die "Valuta" (auf westdeutsch: Devisen) bezahlen, halten fünf jedem internationalen Vergleich stand. Um den ersten Platz wetteifert das Berliner Palasthotel mit dem Dresdner Bellevue und dem Leipziger Merkur. (Da gibt es Konkurrenz, und das ist zwar kapitalistisch, aber gut, und zumindest bei Devisen-Ausländern auch in der DDR erlaubt.)

Wir schrieben damals: "Wenn die Regierenden in der DDR wirklich daran interessiert sind, auch Touristen ins Land zu holen – mancherlei Zeichen und mancherlei Gründe sprechen dafür –, dann müßte von den vielen tausend Plänen, die dort den Alltag beherrschen, ganz vornehm auch der gesetzt werden: mehr staatliche Hotels zu bauen."

"Wenn (das einmal geschehen ist)", so schrieb ich vor 22 Jahren, "würde ich jedem Touristen raten, nach Dresden zu fahren – wie immer man das Land, in dem Dresden liegt, dann nennen will."

Dem ist heute nichts hinzuzufügen, außer allenfalls, daß Dresden zwar einerseits durchaus gemeint war und daß ich es auch heute an die erste Stelle setzen würde; daß es jedoch andererseits als ein pars pro toto zu lesen ist und zumindest für alle die Orte gelten soll, an denen es Interhotels der DDR gibt: Weimar, Rostock, Berlin (Ost), Erfurt, Potsdam, Oberhof, Gera, Leipzig, Suhl, Magdeburg, Halle und Karl-Marx-Stadt.

Er wird dort ein Land finden, daß dem unseren ähnlicher geworden, das uns näher gerückt, das nicht mehr arm ist. Die Leute sind so gekleidet, daß sie in München oder Hamburg nicht auffallen würden; auch wenn vor allem die Damen unter ihnen sehr viel Mühe dafür aufwenden müssen. An Lebensmitteln herrscht für jemanden, der so gut wie ich auf Bananen verzichten kann, kein Mangel, solange der Verteilungsapparat funktioniert. Manchmal klemmt er, wie die Fahrstühle in den älteren Hotels, zum Beispiel im geliebten Weimarer "Elefant".