Otto Schily, unlängst aus dem Bundestag herausrotierter Abgeordneter der Grünen, hat sich ein neues Tätigkeitsfeld gesucht: den Kampf gegen das Rauchen. Zusammen mit dem Pariser Zivilrechtsprofessor Francis Caballero veröffentlichte Nichtraucher Schily ein kurzes Pamphlet in der Pariser Tageszeitung Le Monde, in dem die Zigarettenwerbung bei der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko angeprangert wird.

In 57 Ländern, so erfährt der Leser, gibt es Gesetze, die Werbung für Zigaretten regeln und vor allem jede Fernsehwerbung verbieten. Gerade in Mexiko ist zudem jede Zigarettenwerbung in Verbindung mit sportlichen Aktivitäten untersagt – das Verbot wurde kurzerhand für sechs Wochen ausgesetzt.

Im Kampf gegen das "schädliche drogenähnliche Erzeugnis" (Schily-Caballero) belangte die Anwaltskanzlei Schily in Berlin auch schon ARD und ZDF. Doch beide konnten sich damit herausreden, es gebe technisch keine Möglichkeit, die Zigarettenwerbung der Firma Reynolds in den sechs mexikanischen Stadien auszublenden. Wegen der Camel-Reklame auf die Übertragung des Mundial zu verzichten, wäre wohl auch eine Zumutung für deutsche Fußballfans ...

Eine "nachdrückliche juristische Aktion auf internationaler Ebene", an deren Spitze sich Frankreich und die Bundesrepublik stellen sollten, fordern die Pamphlet-Verfasser. Einen der Adressaten könnte Schily sogar im eigenen Land finden: den Adidas-Unternehmer Horst Dassler. Denn ihm und seinem Familienclan gehören 51 Prozent am Schweizer Unternehmen ISL, das über die Rechte zur Vermarktung der Bandenwerbung in den WM-Stadien verfügt.

Als Ritter Ohnefurcht will sich offensichtlich Wirtschaftsminister Martin Bangemann einen Namen machen. In Bonn setzte er sich vor der versammelten Bauwirtschaft gegen eine Verwässerung des Verursacherprinzips beim Umweltschutz ein. Sein branchenfremdes Exempel: "Ich halte überhaupt nichts von sogenannten ‚Wasserschutzpfennigen‘, ganz gleich von wem derartige Vorschläge kommen."

Sie kommen vor allem aus Stuttgart. Da will CDU-Ministerpräsident Lothar Späth seinen Bauern eine (über höhere Wasserpreise finanzierte) Entschädigung zahlen, wenn sie wegen bestimmter Umweltschutzvorschriften nicht nach Belieben düngen dürfen.

Mit seinem klaren Wort dürfte der Wahlschwabe Bangemann nicht nur seinem Koalitionspartner, sondern auch sich selber Schwierigkeiten machen. An diesem Wochenende will nämlich die Baden-Württembergische FDP ihre Landesliste für die Bundestagswahl 1987 verabschieden, und da ist Platz eins für Bangemann reserviert. Die Frage, ob damit nicht der letzte liberale Bauer im Musterländle vergrault wird, dürfte Bangemann kaum plagen. Schließlich erklärte er (ebenfalls vor der Bauindustrie): "Sie wissen, daß ich von Grund auf Optimist bin."