Seit das Morgenland China sich westlicher Wirtschaft und Technik geöffnet hat, wächst die Zahl der Geschäftsreisenden ständig an. Die Bewegung, die dadurch in den Chinatourismus gekommen ist, hat auch die Lufthansa in den vergangenen Jahren besonders deutlich registriert.

So stieg beispielsweise die Zahl ihrer Passagiere auf der Strecke Frankfurt-Peking und zurück von rund 14 000 im Jahr 1984 auf 25 000 im Vorjahr. Dieses Jahr verspricht noch bessere Resultate zu bringen, ein Vergleich der Daten von Januar/Februar 1985 und 1986 zeigt es deutlich. In den beiden Wintermonaten 1985 flogen jeweils zwischen 700 und 800 Personen mit Lufthansa nach Peking, in den eben erst verflossenen wurden etwa 1300 und 1500 Fluggäste gezählt.

Die Konsequenzen aus dem China-Boom hat die Lufthansa bereits gezogen. Seit Mitte April gibt es eine dritte Verbindung nach Peking, das Reich der Mitte ist somit jetzt dienstags, donnerstags und samstags zu erreichen. Speziell für Leute, die geschäftlich dort zu tun haben, hat die Lufthansa zugleich mit der jüngsten Flug-Inauguration eine "Business Service"-Broschüre über die Volksrepublik China herausgebracht. Auf knapp 50 Seiten findet der Geschäftsreisende darin die wichtigsten länderkundlichen Angaben und Reisetips, jede Menge Informationen über die chinesische Wirtschaftsstruktur und die Möglichkeiten, als ausländisches Unternehmen auf dem chinesischen Markt tätig zu werden. Schließlich erhält der China-Fahrer auch Verhandlungstips. Geduld und Ausdauer freilich haben die Lufthansa und ihre Partner derzeit selber zu üben: Zusammen mit der Philipp Holzmann AG und der Baufirma Heilit und Wörner plant die Linie ein "Lufthansa German Center" in Peking. Das Projekt umfaßt einen Hotel-, einen Büro- und einen Appartement-Trakt, durch Ausstellungsflächen miteinander verbunden.

Ein Commercial Center mit deutschem Anstrich schwebt den Planern vor – es soll vor allem mittelständischen deutschen Firmen den Zugang zum chinesischen Markt erleichtern und ihnen die Möglichkeit geben, sich den fernöstlichen Partnern an Ort und Stelle mit Dokumentationen vorzustellen. Für die Nutzer des Centers soll, obendrein ein kompletter Service-Bereich zur Verfügung stehen, mit Dolmetscher- und Übersetzerbüro, mit Gemeinschaftssekretariaten und einer Kommunikationszentrale.

Wegen der schleppenden Verhandlungstaktik der Pekinger Behörden ist zwar die Grundstücksfrage noch nicht geklärt, dennoch bemühen sich die Lufthansa und ihre Partner, noch in diesem oder Anfang des nächsten Jahres den Baubeginn für das Center zu erwirken. Auch auf dem chinesischen Hotelsektor mischt die Lufthansa mit – schließlich soll in das neue Geschäftszentrum auch ein 300-Betten-Haus integriert sein. Für die Betriebsführung des Pekinger Projekts sind seit geraumer Zeit die Kempinski AG und die Penta-Gruppe im Gespräch, für beide wäre das Geschäft eine Premiere: Kempinski würde erstmals ein Hotel im Ausland betreiben, für Penta wäre Peking der erste Schritt nach Fernost.

Isolde von Mersi