Die Erde glüht. Am Horizont ziehen, wie kleine Feuerwehrmänner, den Weltbrand zu löschen, geheimnisvolle Gestalten im Laufschritt vorüber. Im kurzen Keuchen scheinen sie den Schlachtruf: "Ran, Ritter, ran!" zu üben. Ein Untertitel beschriftet, ein Kommentator, dem der Regisseur seine Stimme leiht, beschreibt das Bild, das wie eine Panorama-Einstellung von Kurosawa anfängt und dann ohne Echo verschwindet. Japan 1703, oder Rotfilter auf die Lüneburger Heide?

Ein Kanu gleitet über einen Kanal der Alster. Der Mann, der es steuert, trägt Schwarz und dringt, mit allen Tretkünsten des Fernen Ostens vertraut, in eine gut bewachte Villa ein. Magisch öffnet er einen Tresor, entflammt Geld und kompromittierende Papiere. Am Tatort bleibt das Zeichen zurück, das dem Täter auf dem Stirnband steht. Hamburg heute oder die Rache der Ronin-Krieger, neu erweckt in Zeit und Raum?

Die Erde glüht nicht mehr, das Pflaster kocht ein bißchen. Hamburg ist beunruhigt. Wo immer die vermeintliche Japan-Bande zuschlägt, ist eine feine hanseatische Karriere in Gefahr. Chefredakteur Herbst vom "Magazin" beauftragt die Kollegin Land mit der Spurensuche, die zu einer Story führen soll.

Frau Land ist nicht in bester Form. Sie hat eine Entziehungskur hinter sich und den Wiederabstieg vom "Zauberberg", wie sie ihr Sanatorium bezeichnet, so gut geschafft, daß sie nun auf Seitenwegen journalistisch wieder nach oben kommen will. Ein freundlicher Angestellter im Verlagsarchiv (obligatorischer Gastauftritt des Regisseurs) hilft ihr, Videokopien einzulegen. Die Ermittlungen beginnen. Christiane Land macht sich ein Bild, das ihr das Rätsel japanischer Schriftgewalt enthüllen soll.

Hamburg als Handelsstadt und Tor zur Welt des Exotismus, Hamburg als Pressestadt und Tor zur Welt des Gedruckten sind im "Sommer des Samurai" auf leichte Weise verbunden. Aber, so will es die Engführung der hier erzählten Geschichte, in der Figur der Journalistin wie in der Figur des Samurai trifft Hamburg auf sich selber. Der Samurai, einmal demaskiert, ist am Tage Finanzmakler Wilcke im hellen Anzug. Sein Büro hat erstklassige Hanglage, Elbblick. Der Exotismus des ganz Fernen dient nur dazu, das ganz Vertraute exotisch zu machen.

Die Reporterin, die langsam aus ihrer Entzugserscheinung erwacht und die Strickjacke zusehends weniger schlampig schließt, kommt keiner Japan-Bande auf die Spur, sondern einem Wirtschafts-Konsortium, dessen führende Ehrenmänner reihum vom Japan-Phantom heimgesucht werden. Ein Slumlord, ein Chemieunternehmen, ein Anwalt, ein Gewerkschaftsboß und ein Bankier spekulieren in gemeinsamer Sache. Die Sozialbindung des Eigentums ist ihnen ein inländisches Fremdwort.

Der Samurai führt einen Privatkrieg gegen diese Bande. Die Journalistin ermittelt sein Motiv. Der Chefredakteur drängt auf die Story. Die Polizei tappt im dunkeln. Reporter sind die besseren Kriminalisten. Geht it es um ein Motiv? Eine Rache oder eine Recherche? Die mythologisch gesetzte Rache zu Anfang des Films wird Motiv der Recherche; Ergebnis dieser Untersuchung ist am Ende aber die Bestätigung der privaten Rache. Der Mythos siegt über die Erkenntnis. An einer Aufdeckung des Filzskandals, der Ämterhäufung und Interessenverflechtung des hier gezeigten Wirtschaftskonsortiums ist der Film nicht brennend interessiert. Er zieht alle Neugier auf das Motiv des rächenden Samurai, das hier aufzudecken inopportun wäre.